Öffentlichkeitsarbeit für das Internationale Jugendprogramm
von Klaus Vogel
Textnummer: 142504
Erstellt am 2006/02/09, zuletzt geändert am 2008/09/02
Motivation und Leistungsbereitschaft von Helfern und Teilnehmern sind umso größer, je größer die Anerkennung im Gemeinwesen ist. Verleihfeiern und Schirmherrschaften haben hier ihre Funktion.
Motivation und Leistungsbereitschaft von Helfern und Teilnehmern sind umso größer, je größer die Anerkennung im Gemeinwesen ist. Verleihfeiern und Schirmherrschaften haben hier ihre Funktion.
1. Öffentlichkeitsarbeit für das Internationale Jugendprogramm ist eine Herausforderung
Das Programm ist bis auf einige wenige „Hochburgen“ nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch in der Fachöffentlichkeit nahezu unbekannt. Der Programmaufbau findet mit sehr eingeschränkten Ressourcen nahezu ausschließlich „von unten“ statt, ein Nachbarländern (Estland, Finnland, Großbritannien, Niederlande, Polen, Russland, Tschechien) vergleichbares öffentliches Engagement für den Programmherausgeber fehlt in Deutschland.
Öffentlichkeitsarbeit für das Programm ist etwas Besonderes und fordert jede einzelne Anbieterstelle. Es handelt sich nicht um eine Organisation, sondern um ein Programm, das selbst wiederum nur den Baukasten liefert, aus dem für jeden Jugendlichen ein herausforderndes Individualpaket geschnürt wird. Ähnliches gilt für die Programmkonzeptionen der Einrichtungen, die es einsetzen. Es kommt deshalb nicht nur darauf an, den Baukasten selbst dazustellen, sondern vor allem, wie er für einzelne Jugendliche erfolgreich genutzt wird. Ohne entsprechendes Feedback von unten läuft die Öffentlichkeitsarbeit des Herausgebers leer.
Es handelt sich zwar um ein internationales Programm, dessen Clou aber gerade in der Realisierbarkeit mit lokalen Ressourcen besteht. Niemand muss in die Highlands oder in den Himalaja (aber er kann sich natürlich dieser besonderen Herausforderung stellen). Für die Presse zählen aber spektakuläre Ereignisse leider oft mehr als die „normalen“ Teilnehmeraktivitäten vor Ort. Wenn hier nicht gezielt gegengesteuert wird, besteht das Programm in der Presse (selbst NETZWERK zeigt diese Tendenz!) sehr schnell nur aus dem Expeditionsteil.
2. Öffentlichkeitsarbeit ist für das Internationale Jugendprogramm besonders wichtig
Öffentlichkeitsarbeit für das Programm ist aber nicht nur besonders anspruchsvoll, sondern auch besonders wichtig.
Das Programm wird in Hinsicht auf die Teilnehmeraktivitäten nicht in der eigenen Einrichtung realisiert, sondern im örtlichen Gemeinwesen. Das Spektrum der Betätigungsmöglichkeiten in den Programmteilen ist umso breiter, je besser das örtliche Kooperationsnetzwerk funktioniert. Das Programm lebt vom Gemeinwesen, das auf diese Weise selbst zum Akteur wird. Im Laufe der Jahre wird das Programm von einem Anbot im Gemeinwesen zu einem Angebot des Gemeinwesens.
Aber nicht nur für die Quantität der Angebote, sondern auch für deren individuelle Nutzung ist der Status des Programms in der Öffentlichkeit entscheidend. Motivation und Leistungsbereitschaft von Helfern und Teilnehmern sind umso größer, je größer die Anerkennung im Gemeinwesen ist. Verleihfeiern und Schirmherrschaften haben hier ihre Funktion.
In gewissem Sinne gilt das auch für die Einrichtung selbst. Auch dort gilt es durch entsprechende Öffentlichkeitsarbeit das gesamte Potenzial zu nutzen und den Status von Jahrgang zu Jahrgang zu erhöhen. Je mehr das Programm als Angebot der Einrichtung erkennbar wird, desto besser.
3. Das Programm beinhaltet die wichtigsten Instrumente für die Öffentlichkeitsarbeit
Das Programm liefert die wichtigsten Instrumente für die Öffentlichkeitsarbeit gleich mit:
Die Begleitung der Teilnehmer und die Dokumentation ihrer Aktivitäten gehören zum pädagogischen Hauptgeschäft. Alles, was für die Darstellung der Funktionsweise des Baukastens (siehe oben) benötigt wird, ist eigentlich da und muss nur noch entsprechend genutzt werden.
Zum anderen sind mit der Programmarbeit regelmäßig PR-trächtige Veranstaltungen verbunden, von der Aushändigung der Begleithefte bis zur Verleihfeier.
Für das Programm an einer Einrichtung ist kein einzelner, sondern ein Team verantwortlich. Alle Ressourcen der Einrichtung können für die Öffentlichkeitsarbeit genutzt werden.
Auch die Tatsache, dass es nicht um eine Organisation, sondern ein für alle offenes Programm geht, ist in der Öffentlichkeitsarbeit sehr hilfreich.
4. Defizite in der Öffentlichkeitsarbeit führen zurück auf Probleme der Programmarbeit
Während Veranstaltungen regelmäßig den Weg in die Presse (und auch zu NETZWERK) finden, gilt dies für die Teilnehmeraktivitäten (außer dem Programmteil Expeditionen) gerade nicht. Mögliche Gründe dafür sind:
Die Begleitung und damit das Programm selbst werden nicht mit dem erforderlichen Aufwand durchgeführt („Niederschwelligkeit“ = Defizite im Programmverständnis).
Die Begleitung wird nicht in obigem Sinn genutzt („Gute Taten sprechen für sich selbst“ = Defizite im Verständnis oder der Umsetzung der Öffentlichkeitsarbeit).
Alles läuft prima, nur das Feedback an das Koordinationsbüro funktioniert nicht („Moskau ist weit“ = Defizite im Verständnis der Anbieteraufgaben).
Sichtbare Defizite in der Öffentlichkeitsarbeit führen sämtlich zurück auf Probleme der Programmarbeit selbst.
5. Fragen zur Konzipierung der Öffentlichkeitsarbeit
Für die Konzipierung der Öffentlichkeitsarbeit ergeben sich damit folgende Fragen:
Bestehen bei der Einrichtung überhaupt die Voraussetzungen für eine Programmarbeit im beschriebenen Sinn? Gibt es eine Jugendprogrammkonzeption und ein Leitungsteam? Wie viele Verantwortliche haben den Programmlehrgang besucht? Genügt das Feedback an das Koordinationsbüro den Vorgaben?
Wie ist die Teilnehmerbegleitung und die Dokumentation der Aktivitäten organisiert? Wie oft finden Aktivitätenbesuche und Beratungssitzungen statt? Auf welcher Grundlage und wie werden die Erfahrungen reflektiert? Welche technischen Hilfsmittel von Teilnehmern und Helfern dafür eingesetzt?
Wie wird die Programmarbeit innerhalb der Einrichtung dargestellt? Welche Medien der Einrichtung werden für die interne Öffentlichkeitsarbeit genutzt? Gibt es spezielle Medien der Einrichtung für das Programm? Wie leicht ist zu erkennen, dass das Programm Teil der pädagogischen Konzeption der Einrichtung ist? Wie war das Programm am letzten „Tag der offenen Tür“ dargestellt? Wie kommt es in der Selbstdarstellung der Einrichtung zur Geltung?
Wie ist die Öffentlichkeitsarbeit im Leitungsteam organisiert? Wie ist das Zusammenspiel mit der Öffentlichkeitsarbeit der Einrichtung organisiert? Welche Technik und Arbeitshilfen für die Öffentlichkeitsarbeit gibt es? Gibt es ausgebildete Fachleute oder NETZWERK-Reporter?
