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Grundsätze der Arbeit mit jungen Leuten

Das Internationale Jugendprogramm in Deutschland e.V.

Textnummer: 143104

Erstellt am 2006/03/05, zuletzt geändert am 2008/09/02

Das Konzept des Programms hat keinen Wert an sich. Nutzen und Ergebnisse zeigen sich nur, wenn junge Leute in Partnerschaft mit unterstützenden Erwachsenen ihr individuelles Programm ausführen.

Das Konzept des Programms hat keinen Wert an sich. Nutzen und Ergebnisse zeigen sich nur, wenn junge Leute in Partnerschaft mit unterstützenden Erwachsenen ihr individuelles Programm ausführen.

In den bisherigen Teilen und Kapiteln wurden die verschiedenen Aspekte des Programms, seine Philosophie, seinen Rahmen, seine Struktur und seine Bedingungen und Anforderungen dargestellt. So wichtig diese Informationen und dieses Wissen für einen erwachsenen Helfer auch sind: das Programm bleibt solange eine schöne Idee, bis es durch die Arbeit von jungen Leuten zum Leben erweckt wird. Das Konzept des Programms hat keinen Wert an sich; Nutzen und Ergebnisse zeigen sich nur, wenn junge Leute in Partnerschaft mit unterstützenden Erwachsenen ihr individuelles Programm ausführen.

Für Leiter, die mit jungen Leuten arbeiten, sollte der Unterschied zwischen einem „Prozess“ und einer „Aufgabe“ klar sein. Im weitesten Sinn bezieht sich „Prozess“ eher darauf, wie etwas getan wird, als darauf, was getan wird. Das Programm ist nicht nur ein Mittel dazu, Fertigkeiten zu entwickeln und eine Reihe von herausfordernden Aufgaben durchzuführen, wie entwicklungsfördernd dies auch immer sein mag. Der wahre Nutzen aus einem bestimmten Programm ergibt sich, wenn die Aufmerksamkeit auch auf den Prozess bzw. die Art und Weise, wie das Programm mit jungen Leuten durchgeführt wird, gerichtet wird. Zunehmende Eigenverantwortung, den Einbezug in die Planung des Programms und die Organisation der Anbieterstelle sowie die Verwendung partizipativer Methoden bei der Arbeit sind entscheidende Mittel, die Effektivität des Programms zu maximieren.

Die Arbeit mit jungen Leuten ist ein Abenteuer und keine exakte Wissenschaft mit Zauberformeln, einfachen Lösungen und simplen Hypothesen. Es ist eine häufige Verfahrensweise, junge Leute mit einem Etikett zu versehen und zu kategorisieren in der Erwartung, diese würden vorgefertigte Verhaltensmuster an den Tag legen. Dies ist jedoch ein Fehler. Jugendliche sind erfrischend unberechenbar. Aktivitäten des Internationalen Jugendprogramms tragen zu dieser Unberechenbarkeit bei, besonders dann, wenn sie herausfordernd und ungewohnt sind oder das Bilden neuer Beziehungen beinhalten.

Wenn die Arbeit mit jungen Leuten eine Herausforderung sein soll, muss jeder Beteiligte sich der Herausforderung stellen. Das Einführen innovativer Arbeitsmethoden und neuer Zugangswege beinhaltet ein beträchtliches Maß an Risiko und Misserfolg ist ein Leistungsindikator im „Risikogeschäft“. Erwachsene sollten die einzigartigen Talente und Fähigkeiten junger Leute würdigen, indem sie das Programm an jeden individuell anpassen und der Versuchung widerstehen, Teilnehmer in ein vorgefasstes Programm mit feststehenden Arbeitsmethoden zu pressen. Da jedes individuelle Programm auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten eines einzelnen Teilnehmers hin gerichtet ist, können keine zwei Programme identisch sein.

Gruppenregeln und -zwang beeinflussen junge Leute stark. Gruppen zwängen ihre Mitglieder häufig in bestimmte Rollen, aus denen es schwierig ist, zu entkommen. Weil sie ihr Bedürfnis nach Sicherheit befriedigen wollen, ziehen junge Leute es manchmal vor, vertraute Aktivitäten weiterzuführen. Sie haben zwar etwas gefunden, das ihnen Spaß macht, aber dies ist jedoch vielleicht eher bequeme Routine als eine entwicklungsfördernde Erfahrung. Erwachsene Helfer müssen deshalb eine sorgfältige Strategie entwickeln, um sie dazu zu ermutigen und sie dabei zu unterstützen, etwas Neues auszuprobieren. Die Teilnahme am Internationalen Jugendprogramm soll Unternehmungsgeist, Leistung und Ausdauer fördern, Attribute, die in vielen Lebensbereichen wertvoll sind.

Aus der Arbeit mit jungen Leuten kann sich ein ganzes Spektrum von Emotionen ergeben, von Sorge und Enttäuschung bis zu Erfüllung und reinem Spaß. Erwachsene Helfer profitieren vom Programm fast genauso, wie die Teilnehmer selbst. In der Tat bewirkt der Freiwilligen-Ethos des Programms, dass Erwachsene, die den Spaß an ihrer Arbeit verlieren, unausweichlich damit aufhören.

Es ist jedoch wichtig für Erwachsene, daß sie die Befriedigung, die ihnen ihre Arbeit gibt, erkennen und zulassen. Es gefällt ihnen möglicherweise, auf die Bedürfnisse anderer einzugehen, sie finden vielleicht Erfüllung darin, ihren Sachverstand zu teilen oder erfahren sogar ein Gefühl von eigener Bedeutung dadurch, dass sie jungen Leuten helfen und eine Rolle in deren Leben spielen. Gefahr droht dann, wenn Erwachsene versuchen, zu hilfsbereit zu sein und den Teilnehmern Verantwortung wegnehmen, indem sie die vollständige Kontrolle ausüben und alles für diese organisieren. Das Grundprinzip ist deshalb, nie etwas zu unternehmen, das Jugendliche auch selbst tun können.