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Elmshorn: Morgens gefilmt und abends gesendet!

von Pitt Frauen

Textnummer: 147300

Erstellt am 2008/12/26, zuletzt geändert am 2008/12/26, begonnen am 1998/10/29

„Nicht für die Schule, für das Leben lernen“, diesen oft und gern mal zitierten Spruch quittieren Kinder meist nur mit einem müden Lächeln. In Elmshorn ist das jetzt anders. Dort beteiligt sich die Hauptschule Langelohe an dem Projekt eines internationalen Jugendprogramms.

von Pitt Frauen

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„Nicht für die Schule, für das Leben lernen“, diesen oft und gern mal zitierten Spruch quittieren Kinder meist nur mit einem müden Lächeln. In Elmshorn ist das jetzt anders. Dort beteiligt sich die Hauptschule Langelohe an dem Projekt eines internationalen Jugendprogramms.

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Montag, der 9. Februar 1998, war ein unruhiger, aber ein erlebnisreicher Tag an der Schule Langelohe. Das N 3 -Fernsehen hatte sich angesagt.

Gegen 8.30 Uhr kurze Absprachen über den Ablauf zwischen dem Lehrkräfte-Team fürs Internationale Jugendprogramm und dem dreiköpfigen Fernsehteam um die Fernsehberichterstatterin Cordula Henne. Dann ging alles Schlag auf Schlag. Erst die Aufnahmen in der Schule: Elif, Helene, Ljubow und Songül beim Zubereiten der Fladenbrote für den Pausenverkauf; Verkauf der Faldenbrote auf dem Mittelflur an einem unüblichen Tag und zu ungewöhnlicher Zeit, drangvolle Enge, nicht nur Käufer, sondern auch neugierige Schülerinnen und Schüler oder welche, die ins Bild möchten; Aufnahmen während der Aktiven Pause auf dem Schulhof und bei der Spielausgabe (Esrah macht Dienst); Wechsel zum Schülerkiosk, Marten und Bastian verkaufen und dann das Interview mit dem Schulleiter im Rektorzimmer, das ausnahmsweise für gut zehn Minuten für Besucher gesperrt bleibt.

Standortwechsel: Für um 10.00 Uhr sind wir im Jugendheim Krückaupark angesagt. Ab in die Fahrzeuge: Die jugendlichen Akteure und beteiligten Lehrkräfte in den schulvereinseigenen Transit, das N 3-Team ins eindeutig erkennbare Dienstfahrzeug und der Schulleiter wegen der erforderlichen Mobilität und Flexibilität in seinen Privatwagen. Ob es mit dem Jugendheimtermin klappen wird? Mitarbeiterin Silke Schwarz, Anleiterin unserer beiden Klettermädchen, konnte nicht hundertprozentig zusagen, ob sie pünktlich sein könnte. Das war abhängig von dem Gebaren und den Bedürfnissen ihres wenige Monate alten Sohnes.

Erleichterung: Christin und Marlen konnten an die Kletterwand. Das gab Muskelkater, immer noch mal hoch an der Wand. Auch die Kameraleute schonten sich nicht. Die höchste Trittleiter im Haus musste bereitgestellt werden, damit sie für ihre Aufnahmen mitsteigen konnten. Aufnahmen im Tierheim beim Dienst der beiden Klettermädchen waren nicht gefragt: „So etwas haben wir schon so oft gesendet.“

Zu Fuß gleich rüber in die Traglufthalle. Marten und Bastian sind aufs Kentertraining eingestellt. Verabredungen mit dem Elsa-Brändström-Gymnasium waren erforderlich. Wir platzen in ihre Schwimmzeit. Normalerweise werden die beiden Schüler durch die Elmshorner Wanderpaddler betreut. Heute übernimmt der Lehrer Norbert Reimer die Betreuung.

Kurze Visite in der Kindertagesstätte am Krückaupark und dann zum „Blumenstübchen“ auf Langelohe. Sonita ist aufgeregt, macht ihre Arbeit aber gut. Die Inhaberin des Blumengeschäftes Frau Elling hält sich ganz im Hintergrund. Sonita ist voll im Bild. Die geplanten Aufnahmen im Alten- und Pflegeheim Thomsen fallen leider flach: Abspracheschwierigkeiten mit Birgül und zunehmender Zeitdruck.

Wechsel in die Gesamtschule Elmshorn. Björns Arbeit in der Stadtteilbücherei wird gefilmt. Und dann noch schnell in die Lagerhalle des benachbarten Edekamarktes Hauschildt. Bastian werkelt dort am Kutternachbau des Vereins für soziale Gruppenarbeit und Segeln. Großes Interesse seitens Cordula Henne mit ihrem Fernsehteam beim Stapellauf dabeizusein.

Kurzes Schlussgespräch vor der Lagerhalle. Wir sind froh, dass es geschafft ist. Fast fünf Stunden voller Anspannung.

Für die Leute vom Fernsehen hält der Stress an. Rückfahrt ins Studio nach Kiel und etwa vier Stunden Schneidearbeit und Vorbereitung des Beitrages. Wir erfahren, dass wir, wenn es keine Verdrängung durch aktuelle Ereignisse gibt, abends ab 19.30 Uhr im Schleswig-Holstein-Magazin auf N 3 zu sehen sein werden. Wir sind gespannt, ob unsere Arbeit mit dem Internationalen Jugendprogramm richtig `rüberkommen wird.

Es kommt und es kommt an. Sonita wird beim Zeitungsaustragen immer wieder auf ihren Fernsehauftritt angesprochen: „Dich haben wir doch gestern (vorgestern) im Fernsehen gesehen.“ Das Schleswig-Holstein-Magazin wird am Folgetag mehrfach in den Vormittagsstunden wiederholt.

 

Sprechtexte

Moderatorin: „Nicht für die Schule, für das Leben lernen“, diesen oft und gern mal zitierten Spruch quittieren Kinder meist nur mit einem müden Lächeln. In Elmshorn ist das jetzt anders. Dort beteiligt sich die Hauptschule Langelohe an dem Projekt eines internationalen Jugendprogramms. Kindern beibringen, was sie später im Leben wirklich brauchen, ist das Ziel. Dazu gehören z.B. Verantwortung übernehmen, soziales Verhalten lernen. Wie das geht zeigt Cordula Henne.

Cordula Henne: Björn hilft einmal in der Woche mit in der Elmshorner Stadtteilbücherei. Der vierzehnjährige Bastian schleift einmal nachmittags mit am Kutter, den der Verein für soziale Jugendarbeit gerade zusammenzimmert und Marlen übt sich im Steilaufstieg im Jugendhaus Krückaupark und macht daneben allerdings noch viel mehr.

Marlen: In Talente, da mach ich Gitarre und in der Expedition, da werden wir mit Pferden ausreiten und in Dienste, da arbeite ich hier im Elmshorner Tierheim.

Cordula Henne: Sonita hilft einmal pro Woche im Blumenhaus. Sie alle machen mit beim Internationalen Jugendprogramm, was heißt: Jeder von ihnen muss in drei Bereichen aktiv werden, Fitness, Talente und Dienste. Talente sind bei Sonita die Blumen, Fitness das ist bei ihr Volleyball und ihren Dienst leistet sie im Altersheim, freiwillig, umsonst, neben der Schule. Sonita hat ihre Gründe fürs Mitmachen.

Sonita: Beim Altenpflegeheim, da wo ich das mache, fragen die meisten warum ich das mache. Jeder kann sich doch denken, dass man selbst auch mal alt wird und dann Leute braucht, die einem dann helfen. Und hier komme ich auch gerne, weil ich auch was lerne für meine Zukunft oder für später und dann lerne ich auch einen neuen Beruf kennen sozusagen.

Cordula Henne: Auch das Fladenbrotbacken für den Pausenverkauf gehört mit zum Programm, sozialer Dienst für Ljuba, Elif und zwei andere Mitschülerinnen. Fürs Talent übt sich die eine im Zeichnen, die andere vorm Computer, Fitness ist bei ihnen Aerobic, Segeln oder Schwimmen. Entscheidend, sie tun was Sinnvolles und hängen nicht rum. Mehr Selbstbewußtsein auch für Hauptschüler! Gestartet wurde das Konzept des Internationalen Jugendprogramms in England von Prinz Philip, der Schüler damit anregen will, sich mehr zu engagieren. Vorgeschrieben ist auch eine sogenannte Expedition, zwei Tage Wandern oder Kanutour in kleinen Gruppen und ganz ohne Erwachsene. Buch geführt wird im blauen Programmpass. Für den Elmshorner Rektor ist das Programm ein Lernen wirklich fürs Leben.

Hans-Peter Frauen: Selbständigkeit wird gefördert, Teamgeist wird gefördert, wenn wir die verschiedenen Bereiche uns angucken, sehen wir auch, dass einene Hinführung zum gesellschaftlichen Engagement damit verbunden ist. Ich denke, damit bieten wir unseren Schülern eine ganze Menge an Möglichkeiten.

Cordula Henne: 26 Vereine helfen der Schule und bieten Übungsplätze für die Schüler, hier z.B. Fitness für Marten und Bastian bei den Elmshorner Wanderpaddlern. Drei Nachmittage in der Woche sind sie aktiv. So mancher Mitschüler, der nicht dabei ist, macht sich lustig über so viel Einsatz. Die beiden stört das allerdings gar nicht.

Bastian: Es gibt Leute in meiner Klasse, die sagen das zwar, aber die hängen auch den ganzen Tag nur vorm Fernseher und so, die sind denn halt ein bisschen blöder als ich.

Moderatorin: Ganz schön selbstbewusst. Das Programm scheint bei ihm erfolgreich zu sein.