Verkehrte Welt: Ferien verhindern Expeditionsplanung!
von Klaus Vogel
Textnummer: 714700
Erstellt am 2011/04/22, zuletzt geändert am 2011/04/22
Ein Vorfall auf der Goldstufe erinnert an das Wort von Matthias Claudius (1799): „Es ist nicht alles Gold, lieber Sohn, was glänzet, und ich habe manchen Stern vorn Himmel fallen und manchen Stab, auf den man sich verließ, brechen sehen.“
von Klaus Vogel
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Ein Vorfall auf der Goldstufe erinnert an das Wort von Matthias Claudius (1799): „Es ist nicht alles Gold, lieber Sohn, was glänzet, und ich habe manchen Stern vorn Himmel fallen und manchen Stab, auf den man sich verließ, brechen sehen.“
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Da wir aufgrund unseres Abiturs in Zeitnot sind und auch erst später das Kartenmaterial bekommen, ist es uns nicht möglich, den angestrebten Zeitplan einzuhalten!
E-Mail vom 17.04.2011
Leider ist es uns trotz der gewährten Fristverkürzung auf fünf Wochen nicht möglich, die Expedition im geforderten Maße rechtzeitig zu planen, weil wir in dieser und der nächsten Woche überwiegend an unterschiedlichen Ferienorten verweilen.
E-Mail vom 20.04.2011
Eigentlich geht’s mich ja nichts an. Aber beim Durchlesen der beiden E-Mails musste ich mir so heftig die Augen reiben, dass es fast weh tat. Da begründet doch tatsächlich eine Gold-Gruppe (!) den Wunsch auf eine Verkürzung der Anmeldefrist für ihre Expedition zunächst mit Zeitnot aufgrund ihres Abiturs – um nur drei Tage später einzuräumen, dass in Wirklichkeit unterschiedliche Ferienorte die rechtzeitige Planung der Tour verhindern.
Verkehrte Welt: in der (ehrlichen) zweiten E-Mail werden die Ferien nicht als Möglichkeit, sondern als Hindernis für die Expeditionsplanung dargestellt! Wenn eine Gruppe, von der alle Mitglieder im gleichen Ort zur Schule gehen, bereits an einem gemeinsamem Planungstermin in den Ferien scheitert – was wäre dann wohl aus der Expedition selbst geworden? Wie kann es sein, dass die Vorstufen so wenig gebracht haben?*)
Aber das kann und darf vorkommen. Nicht in Ordnung ist die Art und Weise, wie hier versucht wurde, andere hinters Licht zu führen (am Ende der ersten E-Mail hieß es sogar noch: „Wir hoffen, Sie haben Verständnis für unsere schwierige Situation“). Diese Unehrlichkeit ist wesentlich bedenklicher als mangelnde Motivation oder fehlendes Organisationstalent und muss meiner Meinung nach schon hinterfragt werden**).
Ja, das ist in der Tat der moralische Zeigefinger – mein ganz persönlicher. Aber eine solche Heuchelei ist nun einmal ein Schlag ins Gesicht für all die Zeit und Mühe, mit der Betreuer vor Ort und Verantwortliche des Trägervereins im Hintergrund die Expedition ermöglichen wollten. Und da ich mich für diese Mitstreiter in der Pflicht sehe, ist ein solcher Vorfall auch für mich persönlich eine herbe Ohrfeige.
Warum ich mich öffentlich dazu äußere? Ganz einfach: weil er zu wichtig ist, um nur intern „abgewickelt“ oder gar unter den Teppich gekehrt zu werden! Gerade das systematische Aufarbeiten solcher negativer Vorkommnisse beinhaltet die größten Lernchancen für die Entwicklung von „Leuchttürmen“ und des deutschen Programms insgesamt. Wo Gold drauf steht, muss auch Gold drin sein – gerade bei uns!
*) Vgl. „Gewinn für Teilnehmer“ im Grundlagenband auf Seite 13.
**) Nicht nur, weil „Faire Partnerschaft“ eines der sieben Lizenzkriterien ist.
