Jugendsporttreff im Umbruch
von Klaus Vogel, Osterburken
Textnummer: 060502
Erstellt am 2005/05/21, zuletzt geändert am 2008/09/02
Seit über drei Jahren besteht in Osterburken ein offener Sportreff für junge Leute. Das vom Land Baden-Württemberg geförderte Projekt ist aus dem Jugendprogramm entstanden, spielt inzwischen aber vor allem bei der Integration jugendlicher Spätaussiedler eine wichtige Rolle.
Seit über drei Jahren besteht in Osterburken ein offener Sportreff für junge Leute. Das vom Land Baden-Württemberg geförderte Projekt ist aus dem Jugendprogramm entstanden, spielt inzwischen aber vor allem bei der Integration jugendlicher Spätaussiedler eine wichtige Rolle.
Vorgeschichte
Der offene Jugendsporttreff in der Realschulturnhalle Osterburken wurde im März 1999 eingerichtet, um vor allem nichtorganisierten Teilnehmern des Internationalen Jugendprogramms der Römerstadt neue Möglichkeiten zu bieten. Für Sportbegeisterte wurde eine herausfordernde Aktivität für den Dienst als Trainer geschaffen, wer seine Fitness gern zusammen mit anderen verbessern wollte, konnte sich hier betätigen. Mit Marco Doth, Gold-Absolvent und Sportstudent an der Uni München, stand zudem ein engagierter und sachkundiger Leiter zur Verfügung. Aus organisatorischen Gründen blieb nur Freitag von 18.00 bis 20.00 Uhr als Zeitpunkt übrig, das Programm in der Halle besteht vor allem aus Klettern und Mannschaftssportarten wie Basketball und Volleyball.
Zwei Jahre später hatte sich zwar nicht das Programm, das immer wieder durch größere Events wie z.B. eine Zweitageswanderung oder eine Kanutour ergänzt wird, wohl aber alles andere geändert:
Der Sporttreff hatte sich zu einem „normalen“ Angebot der offenen Jugendarbeit entwickelt, nur ein geringer Teil der Besucher und Trainer nutzt ihn direkt für das Internationale Jugendprogramm. Alle Trainer sind allerdings Programmteilnehmer oder -absolventen.
Hintergrund dieser Entwicklung war die Tatsache, dass das Angebot immer mehr von Hauptschülern genutzt wurde, an der das Programm kaum bekannt ist, und zwar hauptsächlich von jugendlichen Spätaussiedlern.
Marco Doth war inzwischen nebenberuflicher Trainer der Snowboard-Jugendnationalmannschaft geworden und hatte immer weniger Zeit, das Wochenende in Osterburken zuzubringen. Aufrufe zur Mitarbeit bei den Mitgliedsverbänden des Stadtjugendrings und in der Presse waren ergebnislos.
Wegen der Bedeutung des Projekts für die Integration jugendlicher Spätaussiedler entschied man sich dafür, es trotz dieser Entwicklung in eine ursprünglich nicht intendierte Richtung fortzusetzen. Allerdings musste nicht nur ein neues Team geschaffen werden, sondern auch neue Mittel für Ausrüstung und Honorare. Im März 2001 wurde ein entsprechender Projektantrag bei der AGJ gestellt, der im August 2001 auch genehmigt wurde.
Entwicklung
Das wichtigste Ergebnis der vergangen Monate und der Förderung durch das Land Baden-Württemberg ist zweifelsohne, dass sich ein neues und junges Leitungsteam herausgebildet hat, das seine Aufgabe sehr ernst nimmt. So haben alle Teammitglieder inzwischen Fortbildungen im Bereich Berg- und Kanuwandern erfolgreich abgeschlossen, über die bei NETZWERK ONLINE auch ausführlich berichtet wurde. Der Aussiedleranteil ist bei rund 50 Prozent der Besucher geblieben, das Durchschnittsalter hat weiter abgenommen.
Der Jugendsporttreff nimmt inzwischen einen festen und wichtigen Platz im Spektrum der offenen Angebote in Stadt ein. Trotzdem hat sich im vergangenen Jahr die Öffentlichkeitsarbeit für das Projekt als neue Herausforderung heraus gestellt. Hauptursachen sind:
Aus „historischen Gründen“ – das Jugendprogramm ist an der Realschule entstanden und hat dort seinen Schwerpunkt – bestehen zwischen Leitungsteam und Hauptschule, von der inzwischen die meisten Jugendlichen kommen, noch keine so enge Verbindung wie zur Realschule.
Flyer, Plakate und Hinweise in der Presse finden kaum Beachtung. Ähnliches gilt für das Internet, das allerdings für die Trainerinformation immer wichtiger wird.
Über die SMV der vier Schulen in der Stadt und den nächsten Stadtjugendtag sollen nun „Schnupperabende“ initiiert werden, die sich bei anderen Anlässen als effektiveres Medium zum Ansprechen der Hauptschüler als Homepages und Plakate herausgestellt haben. Damit kann gleichzeitig der Sporttreff noch mehr ein Angebot für alle werden –auch die Sonderschüler und Gymnasiasten, bisher noch nicht direkt angesprochen wurden.
Perspektiven
Im November 2003 feiert das Internationale Jugendprogramm in Osterburken seinen 10. Geburtstag. Im Rahmen dieser Veranstaltung wird die Stadt Osterburken die Lizenz als Programmanbieter übernehmen und alle Schulen werden Anbieterstellen werden. Diese erweiterte Kooperation bietet dann auch völlig neue Möglichkeiten für den Sporttreff – auch die, ihn wieder näher an die ursprüngliche Zielrichtung heranzuführen, ohne an der Integrationsfunktion etwas zu ändern.
