In der Woche vor Ostern 1996 fand im Allgäu das erste deutsch-britische Skiprojekt statt. Basislager war das Haus am Brunnenbach in Burgberg.
Skiprojekt 1996: „Auf der Piste war die Hölle los“
von Klaus Vogel, Osterburken
Textnummer: 124402
Erstellt am 2005/05/21, zuletzt geändert am 2008/09/02
Als Möglichkeit zu internationaler Begegnung, zum Skifahren und für ein „Projekt“ nach den Jugendprogrammrichtlinien diente das erste deutsch-britische Skiprojekt in den Osterferien im Allgäu.
Als Möglichkeit zu internationaler Begegnung, zum Skifahren und für ein „Projekt“ nach den Jugendprogrammrichtlinien diente das erste deutsch-britische Skiprojekt in den Osterferien im Allgäu.
Es kann nicht genug wiederholt werden: das Internationale Jugendprogramm ist trotz seiner Internationalität kein internationales Jugendbegegnungsprogramm. In der Regel erledigen die Jugendlichen in den über 80 Jugendprogrammländern ihre Aufgaben für das Programm zu Hause in ihrer Gemeinde oder ihrer Stadt. Man muß nicht in die Ferne schweifen, aber man kann es, angesichts der weltweiten Verbindungen sogar sehr leicht. Der deutsche Trägerverein hat sich in seiner Satzung dazu verpflichtet, seine internationalen Beziehungen auch für die Jugendbegegnung zu nutzen. Er bietet Jugendlichen die Möglichkeit, für die Jugendprogrammteile Expeditionen und Projekt an entsprechenden internationalen Maßnahmen teilzunehmen, an denen sie sich zusammen vor allem natursportlich betätigen können. Nicht nur die Jugendlichen profitieren von diesen Angeboten, sondern auch das Jugendprogramm in Deutschland insgesamt, für das diese Maßnahmen ein wichtiges Experimentierfeld und eine gute Gelegenheit zur Selbstdarstellung sind.
Nachdem seitlang mit Trekking, Klettern und Kajak ausschließlich in den Sommermonaten gearbeitet wurde, sollte in den Osterferien ‘96 wieder etwas neues probiert werden: Skifahren. Der Anlaß war fast banal – das Award Lodge „Haus am Brunnenbach“ in Burgberg war zu diesem Zeitpunkt einschließlich Skilehrer frei, da sich niemand von außerhalb auf so späten Schnee verlassen wollte. Da langjährige Erfahrung aber bewiesen hatte, daß es immer irgendwo in der Umgebung Schnee geben würde, wurden Nägel mit Köpfen gemacht und das Projekt in NETZWERK 3/95 sowie im britischen „Award Journal“ (Nr. 77) ausgeschrieben. „Begegnung (nicht nur) im Schnee ‘96“ war geboren: ein internationales Jugendbegegnungsprojekt mit der Möglichkeit, das Skifahren zu lernen oder zu verbessern, das außerdem als „Projekt“ für die Goldstufe des Jugendprogramms angerechnet werden konnte. Und wer sagt es denn: auch die Selbstdarstellung mußte nicht fehlen, im November meldete der Bayerische Rundfunk Interesse und war schließlich mit einem Fernsehteam ebenfalls dabei.
Qualität ist beim Jugendprogramm Trumpf, in allen Programmteilen müssen die Ausbilder die für ihre Tätigkeit notwendigen Voraussetzungen mitbringen. Dies gilt insbesondere beim Natursport, wo generell nur entsprechendes Fachpersonal eingesetzt wird. Entsprechend der britischen Tradition von „Haus am Brunnenbach“ besitzen die dortigen Ausbilder durchgängig britische Lizenzen, im Bereich Skifahren die des „Scottish National Ski Council“ (SNSC). Entsprechend waren auch die Kurse, die geboten wurden, britische Standardkurse. Anfänger konnten „Zwei Sterne“ des British Alpine Ski Award (BASA) machen, Fortgeschrittene „Vier Sterne“, und wer Interesse hatte, mindestens 16 war, „Drei Sterne“ sicher beherrschte und auch vor abendlicher Theorie nicht zurückschreckte, konnte sich auch zum „Assistant Alpine Ski Leader“ qualifizieren.
Mit je acht deutschen und britischen Teilnehmern kam das Projekt auch tatsächlich zustande. Und da es jeweils genügend Teilnehmer gab, konnten auch alle drei Kurse stattfinden, die Ausbilder Gilly (Engländer mit Wohnsitz in Deutschland), Nick (Waliser mit Wohnsitz in England) und Rob (Engländer aus England) wurden alle gebraucht. Dabei hat sicher auch der Preis eine Rolle gespielt. Nur 500 Mark für einen einwöchigen Skikurs einschließlich Vollpension, Liftgebühren, Fahrten zur Piste und Ausrüstung, das konnte sich in der Tat sehen lassen. Selbst die zusätzliche Gebühr in Höhe von 64 Pfund für den Hilfsskilehrerschein waren angemessen und hielten niemand von der Teilnahme ab. Das Wetter war ideal, und so war eine Woche lang, physisch gestärkt durch Joans hervorragende Küche und psychisch durch die Anwesenheit der Kameras, auf der Piste die Hölle los. Insbesondere die Anfänger boten in der Tat fernsehreife Vorführungen, die von Sabine und ihrer BR 3-Truppe auch dankbar aufgenommen wurden.
Aber nicht auf der Piste war etwas geboten. Programmgemäß fand Begegnung nicht nur im Schnee statt, und auf die Anleitung von Erwachsenen mußte man hier selten zurückgreifen. Nach kleinen Startproblemen dauerten die Abende im Lodge immer länger, und schließlich wollten Aktionen und Gesang überhaupt nicht mehr enden. Auch beschwörende Worte vom mit Sicherheit noch anstrengenderen nächsten Tag halfen kaum, die verschworene internationale Truppe zum Bettgang zu bewegen. Besondere Erwähnung verdienen der zirkusreife Spielabend, der zu einer Erlebnistour mutierte Kegelabend und die professionell Urkundenverleihung am Abschlußabend.
Mike, Gilly, Nick, Rob und Joan: Das war Spitze!
