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GEW: „Bundesrepublik muss erheblich mehr in die Köpfe der Menschen investieren!“

Pressemitteilung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

Textnummer: 654800

Erstellt am 2008/09/09, zuletzt geändert am 2008/09/09

Deutschland muss erheblich mehr Menschen Zugang zu und Abschluss einer akademischen Ausbildung ermöglichen. Das hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft als Konsequenz aus dem OECD-Bericht „Bildung auf einen Blick 2008“ angemahnt.

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Deutschland muss erheblich mehr Menschen Zugang zu und Abschluss einer akademischen Ausbildung ermöglichen. Das hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft als Konsequenz aus dem OECD-Bericht „Bildung auf einen Blick 2008“ angemahnt.

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Berlin/Frankfurt a.M. – Die Bundesrepublik Deutschland muss erheblich mehr Menschen Zugang zu und Abschluss einer akademischen Ausbildung ermöglichen. Das hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) als Konsequenz aus dem OECD-Bericht „Bildung auf einen Blick 2008“, der heute in Berlin vorgestellt worden ist, angemahnt. „Ein rohstoffarmes Land wie die Bundesrepublik muss in die Köpfe der Menschen investieren, ihre Bildung und Ausbildung verbessern. Wir müssen unsere ungenutzten Potenziale aktivieren und die Fähigkeit, kreative Lösungen zu finden, weiterentwickeln. Die OECD-Studie zeigt, dass Deutschland auf der internationalen Ebene bei den Hochqualifizierten immer mehr den Anschluss verliert. Von der vollmundig verkündeten ‚Bildungsrepublik Deutschland’ sind wir weiter denn je entfernt“, sagte GEW-Vorsitzender Ulrich Thöne in Frankfurt a.M. „Schönfärberei und Durchhalteparolen von Kultusministerkonferenz (KMK) und Bundesbildungsministerium werden dem Ernst der Lage nicht gerecht. Sie sind kontraproduktiv.“ 



„Deutschland ist weiterhin Weltmeister in sozialer Auslese. Wenn wir die Zahl hochqualifizierter Menschen steigern wollen, müssen wir uns von dem selektiven Bildungssystem verabschieden und ein inklusives Bildungswesen entwickeln“, betonte der GEW-Vorsitzende. In diesem Sinne brauchten wir mehr und bessere Kitas, müsse die Ausgrenzung im Schulsystem überwunden werden. „Schule darf nicht länger die Nachteile, die etwa Kinder aus sozial schwächeren und Migrantenfamilien mitbringen, verstärken: Alle Schülerinnen und Schüler müssen in der ‚Einen Schule für alle Kinder’ bestmöglich individuell unterstützt und gefördert werden, damit sie ihre Potenziale entfalten können. Bisher werden viel zu viele Kinder ausgesiebt und gehen beim Hürdenlauf durch das gestufte Schulsystem verloren“, sagte Thöne.



Er schlug ein vier Punkte umfassendes Sofortprogramm zum Ausbau und zur sozialen Öffnung der Hochschulen vor: „Erstens müssen die Vereinbarungen zwischen Bund und Ländern um einen ‚Hochschulpakt II’ erweitert werden. Wir können den drohenden Fachkräftemangel ausgleichen, wenn wir den erwarteten ‚Studentenberg’ nicht untertunneln, sondern erklimmen!“, unterstrich der GEW-Vorsitzende. Laut KMK-Prognose könnten 2014 2,7 Millionen junge Menschen statt heute zwei Millionen studieren. Für den Ausbau des Studienplatzangebots müssten die entsprechenden Gelder bereit gestellt werden, statt das Anklopfen junger Menschen an die Hochschultüren mit einem flächendeckenden Numerus clausus (NC) zu beantworten.



Zweitens müsse die Ausbildungsförderung strukturell auf eine neue Basis gestellt werden. „Wir brauchen ein einheitliches, elternunabhängiges ‚Studienhonorar’. Es soll alle junge Menschen ermutigen, sich an den Hochschulen einzuschreiben und ihr Studium abzuschließen“, sagte Thöne. Zur Finanzierung dieser Unterstützung sollten die ausbildungsbezogenen Leistungen des Familienlastenausgleichs zu einer Sozialleistung zusammengefasst und umgewidmet werden. 



Drittens solle – wie in anderen OECD-Staaten üblich – mit dem Abschluss der schulischen und dualen Ausbildung grundsätzlich eine Studienberechtigung vergeben werden. „Der ‚dritte Bildungsweg’ zeichnet sich heute durch einen föderalen Flickenteppich aus. Dieser erschwert den Übergang von der beruflichen Bildung an die Hochschulen. Wir brauchen eine bundeseinheitliche gesetzliche Regelung, die beruflich qualifizierten Menschen den Weg in die Alma Mater öffnet“, hob der GEW-Vorsitzende hervor.



Zudem müssten die Studien-, ebenso wie alle anderen Bildungsgebühren abgeschafft werden. „Studiengebühren verschärfen die soziale Selektivität des deutschen Bildungssystems und schrecken von der Aufnahme eines Studiums ab. Doch Fehler lassen sich korrigieren, wie das Beispiel Hessen zeigt“, sagte Thöne. Das Bundesland hatte als erstes die bereits eingeführten Studiengebühren wieder einkassiert.



Die Weiterentwicklung des Bildungssystems stehe und falle mit einer soliden Finanzierung, betonte der GEW-Vorsitzende: „Die OECD-Untersuchung belegt, dass Deutschland im internationalen Vergleich bei den Ausgaben für Bildung immer weiter zurückfällt. Hier müssen wir den Hebel umlegen. Bei der Neuordnung der Staatsfinanzen muss eine verlässliche und ausreichende Finanzausstattung des Bildungsbereichs sicher gestellt werden: Mindestens sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts sollen in die Bildung investiert werden. Dieses Signal müssen der Bildungsgipfel am 22. Oktober und die beginnende Föderalismusreform II aussenden.“