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Vermerk über ein Gespräch zum Thema „Deutscher Duke of Edinburgh’s Award“ im Bundespräsidialamt

Gesprächsnotiz des Bundespräsidialamtes

Textnummer: 138002

Erstellt am 2005/04/30, zuletzt geändert am 2008/09/02

Der folgende Gesprächsvermerk ist eines der erstaunlichsten Dokumente, das die „Spurensuche“ im Internationalen Sekretariat in London in Sachen Jugendprogramm zutage förderte.

Der folgende Gesprächsvermerk ist eines der erstaunlichsten Dokumente, das die „Spurensuche“ im Internationalen Sekretariat in London in Sachen Jugendprogramm zutage förderte.

Referat I/2-5201-6616/84
>MR Dr. WemmerKLn

Bonn, den 5. Oktober 1984

Vermerk

Betr.: Deutscher Duke of Edinburgh’s Award

Zur Erörterung der vorgenannten Angelegenheit trafen am Donnerstag, dem 27. 09.1984 um 11.00 Uhr im Bundespräsidialamt in Anwesenheit des Unterzeichners die in der Anlage aufgeführten Persönlichkeiten zusammen. Als Ergebnis der Erörterung wurde festgestellt:

  1. Die kontroversen Auffassungen zwischen den Vertretern der Deutschen Familien- und Jugendstiftung einerseits sowie Herrn Sozialoberrat Eimers und Herrn Landesrat Saurbier andererseits, die in der Vergangenheit über die Frage der Einführung des deutschen Duke of Edinburgh’s Award entstanden sind, gelten als beigelegt.

  2. Die Deutsche Familien- und Jugendstiftung anerkennt, daß der Martinspaß nicht die nationale Ausgestaltung des deutschen Duke of Edinburgh’s Award ist und stellt insoweit ab sofort jede Werbung ein.

  3. Herr Landesrat Saurbier wird die Arbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter bitten, mit den Dachverbänden der Jugendorganisationen Fühlung aufzunehmen, um festzustellen, ob bei den Jugendlichen mit einer positiven Resonanz auf die Einführung eines deutschen Duke of Edinburgh’s Award gerechnet werden kann.

  4. Den Gesprächen der Landesjugendämter mit den Jugendverbänden wird ein Konzept zugrunde gelegt, das von der Deutschen Familien- und Jugendstiftung erarbeitet worden ist. Aus diesem Konzept werden jedoch alle Hinweise auf den „Martinspaß“ gestrichen. Die Deutsche Familien- und Jugendstiftung wird nicht als Träger des Duke of Edinburgh’s Award in Erscheinung treten. Als Adressaten des „Award“ werden nur die Jugendlichen im Alter von 14 bis 25 Jahren in dem Konzept in Erscheinung treten.

  5. Wenn die unter der Ziffer 3) erwähnten Gespräche zu dem Ergebnis führen, daß alle oder zumindest ein großer Teil der maßgebenden Jugendverbände den deutschen Duke of Edinburgh’s Award akzeptieren, so wird eine konstituierende Sitzung stattfinden, in dem ein Kuratorium als Leitungsgremium für den Award geschaffen werden soll. Die Deutsche Familien- und Jugendstiftung geht davon aus, daß sie in diesem Kuratorium mitwirken und ihre Erfahrungen und Vorarbeiten für den Award einbringen kann.

  6. Das vorerwähnte Kuratorium wird den Herrn Bundespräsidenten um die Schirmherrschaft über den deutschen Duke of Edinburgh’s Award bitten. Es kann davon ausgegangen werden, daß das BMJFG die hierfür verfassungsrechtlich notwendige Gegenzeichnung übernimmt, wenn eine breite Mehrheit der maßgebenden Jugendverbände die Schirmherrschaft erbittet.

  7. Der Deutschen Familien- und Jugendstiftung bleibt es überlassen, im Rahmen der evangelischen Kirche weiterhin für den Martinspaß für 10- bis 14jährige zu werben. Sie stellt dabei klar, daß es sich hierbei nicht um den deutschen Duke of Edinburgh’s Award handelt, die Erwerber des Martinspasses aber die Möglichkeit haben, nach Erreichung der Altersgrenze sich auch um den deutschen Duke of Edinburgh’s Award zu bewerben.

Wemmer

 

Teilnehmerliste für die Besprechung am 27. September 1984 um 11.00 Uhr im Bundespräsidialamt

Pfarrer Dietrich Kowalsky

Max Gruner

Frau Gruner

Landesrat Saurbier

Sozialoberrat Eimers

Herr Glahn

Dr. Wemmer

[HYDRANT-Archiv: 2096/01]