Sektionen
Sie sind hier: Startseite Netzwerk Artikel Hilfe Expeditionen und Goldstufe Verleihung

Prinz Edward auf Schloss Zeil

von der NETZWERK-Redaktion

Textnummer: 147200

Erstellt am 2008/12/06, zuletzt geändert am 2008/12/09, begonnen am 1995/11/24

Ein herausragendes Ereignis für Veranstalter und Besucher gleichermaßen war die erste Verleihungsfeier des Internationalen Jugendprogramms am 3. November 1995 auf Schloss Zeil, nicht zuletzt durch die Teilnahme von Prinz Edward aus Großbritannien.

von der NETZWERK-Redaktion

Textnummer:

Erstellt am:

Fotos:

Ein herausragendes Ereignis für Veranstalter und Besucher gleichermaßen war die erste Verleihungsfeier des Internationalen Jugendprogramms am 3. November 1995 auf Schloss Zeil, nicht zuletzt durch die Teilnahme von Prinz Edward aus Großbritannien.

***

Anderthalb Jahre nach der offiziellen Einführung des Internationalen Jugendprogramms in Deutschland fand Anfang November auf Schloss Zeil bei Leutkirch (Baden-Württemberg) die erste zentrale Feier für Jugendliche statt, die das Programm auf einer seiner drei Stufen abgeschlossen hatten. Prominentester Ehrengast der Veranstaltung, zu der Erich Erbgraf von Waldburg-Zeil, Schirmherr des noch jungen Projekts, nicht nur die erfolgreichen Jugendlichen, sondern auch deren Eltern und Betreuer sowie eine stattliche Zahl von Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft eingeladen hatte, war aus dem Buckingham Palace Prinz Edward, zusammen mit seinem Vater, dem Herzog von Edinburgh, Repräsentant des in 80 Ländern der Erde verbreiteten Programms. In seiner Begleitung waren auch Michael Hobbs, Direktor des britischen Mutterprogramms „The Duke of Edinburgh’s Award“ und des inzwischen angeschlossenen Ouward Bound-Trusts sowie Paul Arengo-Jones, Generalsekretär der Internationalen Assoziation des Jugendprogramms.

Mit von der Partie war aber auch eine fast dreißigköpfige Schar von Gruppenleitern und Jugendlichen des „Duke of Edinburgh’s Award“ in Schottland, die im Rahmen einer Rückbegegnung – fast auf den Tag genau vor einem Jahr hatte man sich in den Highlands zum ersten Mal getroffen und im Sommer auch schon die ersten gemeinsamen Expeditionen im Allgäu durchgeführt – Gast des Internationalen Jugendprogramms waren. Eine besondere Überraschung war der Umstand, dass auch das ganz neue Jugendprogramm der Tschechischen Republik mit einer Delegation aus Zlin bei der Feier vertreten war. „Eine tolle Anerkennung für das, was wir hier in letzter Zeit gemacht haben“, wie sich Graf Waldburg in seiner Begrüßungsrede für das Erscheinen einer so breiten und internationalen Gästeschar bedankte.

Auch die Zahl der durchzuführenden Verleihungen zeigte, welche Entwicklung das Programm seit seiner formellen Einführung zurückgelegt hatte. 59 Jugendliche aus drei Bundesländern hatten sich auf den teilweise sehr langen Weg in den Landkreis Ravensburg gemacht – mit der größten Entfernung das Jugendhilfezentrum Raphaelshaus aus Dormagen in der Nähe von Köln. Ingesamt gab es an fünf der derzeit insgesamt elf Anbieterorganisationen einmal „Gold“, 19mal „Silber“ und 39mal „Bronze“. Über die Hälfte der Jugendlichen (32) einschließlich der Gold-Absolventin stellten die Ganztagesschulen aus Osterburken (GTO), die für das Abendprogramm auch ihre Bigband mitgebracht hatten. Die weiteren Auszeichnungen gingen an die Jugendfeuerwehr Baden-Württemberg (13), das Chemische Institut Dr. Flad in Stuttgart (8), das DRK Schwaben (5) und das Raphaelshaus (1).

 

Doppelte Leistung der Jugendlichen

Obwohl die Jugendlichen sich mit ihren Leistungen für das Jugendprogramm ihre „Eintrittskarten“ für die Veranstaltung schon mehr als verdient hatten, hatten sie es sich nicht nehmen lassen, durch die Vorbereitung und Präsentation einer einstündigen Show zum Jugendprogramm auch den zentralen Beitrag für den Abend zu leisten – eine Veranstaltung nicht für, sondern der Jugendlichen war angesagt. Mit viel Technik in den traditionsreichen Räumen wurden nicht immer ganz ernst gemeinte Videoclips zu den Programmteilen vorgeführt, Sketche zur Expedition sowie dem Seniorenprojekt der Flad-Schule im Bereich „Dienst“ zum besten gegeben und Interviews mit Programmteilnehmern geführt. Moderiert wurde das Ganze gemeinsam von einem Jugendlichen und einem erwachsenen Betreuer – „um“, so Programmkoordinator Klaus Vogel, „deutlich zu machen, dass das Programm ein Projekt für Jugendliche und Erwachsene ist”.

Bilder zum „VE Day ‘95“ in London, wo im Mai Programmteilnehmer aus Baden-Württemberg Deutschland bei den Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag des Kriegsendes vertreten und die erste persönliche Bekanntschaft mit dem britischen Königshaus gemacht hatten, ließen die internationale Dimension des Programms eindrucksvoll deutlich werden. Eine besondere Rolle spielte die GTO-Bigband aus Osterburken. Sie stand für den Programmteil “Interessen”, in dem Musikmachen eine der am häufigsten gewählten Aktivitäten ist, und leitete, von Prinz Edward für ihren sehr guten Auftritt besonders gelobt, nach Abschluss des offiziellen Teils musikalisch in den abschließenden Stehempfang ein, an dem sich der hohe Gast wie bereits bei der Verleihung mit zahlreichen Jugendlichen unterhielt und auch für Fotos bereitwillig zur Verfügung stand.

„Willst du das Unendliche durchschreiten, so gehe nur im Endlichen nach allen Seiten”– mit diesem Goethewort charakterisierte Graf Waldburg den Weg, den die Jugendlichen im Rahmen des Programms zurückgelegt hatten. Voraussetzung für die Einladung nach Schloss Zeil waren Leistungen in allen vier Programmteilen „Dienst“, „Expeditionen“, „Interessen“ und „Körperliches Training“, für Bronze mindestens ein halbes Jahr, für Silber mindestens ein Jahr und für Gold mindestens anderthalb Jahre. Die Tätigkeiten waren dabei von den Teilnehmern selbst so auszusuchen, dass sie eine wirkliche persönliche Herausforderung darstellten. Ein ganzheitliches und flexibles Programm der Persönlichkeitsbildung, das zurückgeht auf den Reformpädagogen Kurt Hahn, der es zusammen mit Prinz Philip, Herzog von Edinburgh, zuerst in Großbritannien einführte, von wo aus es seinen Weg um die Welt und seit kurzem auch nach Deutschland fand.

Was das Programm im Einzelnen ist, zeigt aber am besten ein Blick auf die Tätigkeiten, die von den Jugendlichen ausgewählt wurden. Beispiele waren im „Dienst“ Freiwilligenarbeit in Altersheimen und Kindergärten, Hilfe für bedürftige Einzelpersonen wie Kinder, Alte und Behinderte, Jugendarbeit in Jugendverbänden und offenen Einrichtungen, Gesundheitserziehung z.B. durch Mitarbeit in der AIDS-Hilfe, Umweltschutz durch Mitarbeit bei örtlichen Projekten oder bei Greenpeace, Notfalldienste u.a. bei Feuerwehr, DRK und Lebensrettung; bei den „Expeditionen“ überwiegend „Wandern“ als Fortbewegungsart, aber auch Fahrrad- und Kajaktouren; im Teil „Interessen“ Mode, Angeln, Billard, Motorsport, Schach, Schießen; Fotografie, Seidenmalerei; Nähen und Schneidern; Kochen, Modellbau, Töpfern; Computer, Schauspielern, Sprachen; Instrument spielen; Aquarium, Haustiere, Kakteenzucht; Briefmarken und Münzen und beim „Körperlichen Training“ Fitness, Gymnastik, Laufen, Leichtathletik; Fußball, Volleyball; Karate; Tennis, Tischtennis; Gesellschaftstanz, Squaredance; Kanufahren, Schwimmen, Tauchen; Radfahren, Reiten und Klettern.

Den offiziellen und begeistert aufgenommenen Schlusspunkt des Abends setzte schließlich der eigens für diesen Anlass komponierte und erstmals vorgetragene „Award Song“, der den britischen Gästen als Abschiedsgeschenk mit auf den Weg gegeben wurde. Eine LKW-Panne, die dazu führte, dass die umfangreiche Technik mit neun Stunden Verspätung auf Schloss Zeil eintraf und der Aufbau – ohne die vorgesehene Generalprobe – erst unmittelbar vor Veranstaltungsbeginn abgeschlossen werden konnte, hatte keine negativen Auswirkungen auf den Abend. Ganz im Gegenteil: von den Beteiligten als eine harte Herausforderung im Sinne des Programms begriffen („jetzt erst recht“), spornte sie diese zu Höchstleistungen an und hatte letztlich einen erheblichen Beitrag am Gelingen des Abends.

Quelle: NETZWERK 4/1995 [1942]