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Israel 1998: Gruppenfoto im Hohenstadter Grund

Trauer um Avi First

von der NETZWERK-Redaktion

Textnummer: 144902

Erstellt am 2007/10/20, zuletzt geändert am 2008/09/02

Der erste Besuch einer Gruppe des Israel Youth Award in Deutschland im Juli 1999 wurde vom tödlichen Herzinfarkt ihres Gruppenleiters Avi First beim Abschlussabend auf dem Bauernhof der Familie Schmieg im „Hohenstadter Grund“ überschattet.

Der erste Besuch einer Gruppe des Israel Youth Award in Deutschland im Juli 1999 wurde vom tödlichen Herzinfarkt ihres Gruppenleiters Avi First beim Abschlussabend auf dem Bauernhof der Familie Schmieg im „Hohenstadter Grund“ überschattet.

Abschiedsabend. Auf dem Aussiedlerhof der Familie Schmieg im „Hohenstadter Grund“ haben sich am achten Tag der deutsch-israelisch-tschechischen Jugendbegegnungsmaßnahme alle Teilnehmer, Gastfamilien und Helfer versammelt, insgesamt über 80 Personen. Es wird langsam dunkel, und der Zeitpunkt des Aufbruchs rückt bereits deutlich näher. Die Grills sind bereits abgeschaltet, letzte Gruppenfotos gemacht. Auch der kleine offizielle Teil des sonnigen Abends mitten in der Natur neigt sich schon dem Ende zu. Die Geschenke sind ausgetauscht, Klaus Vogel hat für die deutsche Seite gesprochen und sich in den Urlaub verabschiedet, der israelische Delegationsleiter Avi First hat sich für „unvergessliche Tage in Deutschland“ bedankt und die Gegeneinladung nach Israel ausgesprochen, Eliska Drabkova spricht gerade das Schlusswort für die Tschechen. Da bricht plötzlich Avi zusammen. Weder Ersthelfer, noch Arzt, noch Notarzt können helfen: der Leiter der israelischen Delegation, am 10. Mai 1946 in Deutschland geboren, ist tot – Herzinfarkt. Plötzlich ist alles anders, eine Woche guter Laune und Spaß geht in Bestürzung, Tränen und Trauer über. Die Nacht wird zum Tage. Versammlung aller Teilnehmer und Gastfamilien im Jugendcafé. Umquartieren der israelischen Teilnehmer zu Paaren. Leitersitzung in der Limesstraße, wo die Telefone die ganze Nacht nicht stillstehen. Tony Barnes übernimmt die Regie im Koordinationsbüro…

Vorausgegangen war eine höchst erlebnisreiche und ebenso erfolgreiche Jugendbegegnungswoche. Das Projektteam um Frank Heck hatte alles aufgeboten, um den 40 Teilnehmern aus Israel, Tschechien und Deutschland Land und Leute und das Internationale Jugendprogramm in Deutschland auf möglichst anschauliche und spannende Weise näher zu bringen. Empfang des Bürgermeisters, Besichtigung des Römermuseums, Kooperative Abenteuerspiele rund um die Ganztagesschulen, City Bound in Würzburg, Sportnacht und Kletter-Workshop in der Realschul-Turnhalle, Seminarblocks zum Internationalen Jugendprogramm, zur Perspektive der Jugendbegegnung und zum Himalaja-Projekt, Kanufahren auf der Jagst, Disco in Buchen, Miniexedition im Odenwald, Orientalischer Abend in der Grillhütte Osterburken, Tagesausflug nach Heidelberg, Besuch der jüdischen Gedenkstätte in Sennfeld und der Abschiedsabend auf dem Bauernhof waren die wichtigsten Programmpunkte. „Wir haben das Gefühl, in der Jugendprogramm-Universität zu Besuch zu sein“, meine Avi First einmal. Wesentlich beigetragen zum gegenseitigen Verständnis hat die Unterbringung der 23 Besucher in Gastfamilien, die den Umgang mit den manchmal nur arabisch sprechenden Gästen und den speziellen jüdischen und moslemischen Speisevorschriften hervorragend meisterten.

Der Freitag, der letzte Tag der Israeli in Osterburken (die tschechischen Gäste waren bereits auf der Heimfahrt) stand ganz im Zeichen des Todes von Avi. Um 9 Uhr trafen sich alle im Jugendcafé, das – ebenso wie das nahe „Wiesental“ – den ganzen Tag zu Gesprächen in kleineren und größeren Gruppen genutzt wurde. Dort wurde auch eine gemeinsame abendliche Feierstunde vorbereitet, an der auch Bürgermeister Burger und Pfarrer Scholz aus Eberstadt mitwirkten. Parallel wurden im Koordinationsbüro und vor allem im Rathaus, das bereits zuvor bei der Beschaffung der Abstammungsurkunde für Avi eine große Hilfe gewesen war, die nicht einfachen organisatorischen Fragen geklärt. Am Samstag erfolgte – begleitet durch Frank Heck, Henk Verwoerd und Jan Spießberger – die Fahrt nach Frankfurt, wo auch Tony, von der israelischen Botschaft in Bonn kommend, wieder zur Gruppe stieß. Am Sonntag früh ging dann der Flieger nach Israel, dank der Bemühungen der Stadt Osterburken und dem Einsatz von Tony Barnes mit dem Leichnam Avis an Bord. Kurz danach flogen schließlich auch Frank und Tony nach Israel, wo sie mit der gesamten israelischen Gruppe, die spontan weiter zusammengeblieben war, an der Beerdigung Avis teilnahmen und auch seine Familie besuchten. Hierüber wird an anderer Stelle berichtet werden.

Am 16. August ging folgendes Fax (im Original englisch) des israelischen Jugendprogramm-Sekretariats im Koordinationsbüro ein: „Lieber Klaus, ich weiß, wie schwierig Deine Situation ist, und wir alle wollen uns bei Dir und Deiner Familie bedanken. Ich denke, es war Avis Bestimmung, in Deutschland zu sterben – es war ihm so wichtig, Dich zu besuchen und zu treffen und er meinte „Ich werde nach Israel nicht ohne meine Geburtsurkunde zurückkehren“. Wir haben uns über Deine Unterstützung sehr gefreut und hoffen, dass Dein Besuch in Israel der Beginn einer offenen Brücke zwischen Euch und uns sein wird. Bitte gib unseren Dank an alle anderen weiter, die uns unterstützt haben, besonders an Katharina. Aviva ben Rafael.“

Quelle: E-Info 10, 5. September 1999