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Europäische Schule München: Silber-Probetour in Spanien

Probetour in Spanien: „Hinaufklettern ist eine Sache, wieder hinunter eine ganz andere!“

Textnummer: 271904

Erstellt am 2006/01/21, zuletzt geändert am 2008/09/02

Nach Malaga führte jetzt das Internationale Jugendprogramm eine Gruppe von Programmteilnehmern der Europäischen Schule München, wo die Jugendlichen bei ihrer Silber-Probetour pastareiche Tage und Nächte unter freiem Himmel verbrachten.

von NETZWERK-Reporterin Laura Hartrampf, Europäische Schule München

Nach Malaga führte jetzt das Internationale Jugendprogramm eine Gruppe von Programmteilnehmern der Europäischen Schule München, wo die Jugendlichen bei ihrer Silber-Probetour pastareiche Tage und Nächte unter freiem Himmel verbrachten.

Es war Mittwochmorgen um 11 Uhr. Draußen schneite es beständig und es war kalt. Stephanie, Andrés und ich waren zuerst am vereinbarten Treffpunkt im Münchener Flughafen, wo unser einer Gruppenbegleiter, Gordon, schon wartete. Wenn die übrigen Mitglieder der beiden vereinbarten Teams (Alistair, Josh, Simon, Danny und die extra aus Amerika angereiste Jenny) da waren, konnte es endlich losgehen.

Ich freute mich schon sehr darauf, endlich all das anzuwenden, was ich gelernt hatte: Zelte auf- und abbauen, das Kochgeschirr herrichten und dann damit kochen, Karten lesen und den richtigen Weg finden, als Team auf uns allein gestellt sein. Fast noch mehr freute ich mich auf die tolle Landschaft, in der wir wandern würden, auf die Pflanzen und die Gebirgsluft. Schließlich waren alle da, auch Kath, die Mutter von Josh, unsere zweite erwachsene Gruppenbegleiterin. Jetzt mussten Danny, Simon, Stephanie und ich nur noch unser Essen für die nächsten Tage einkaufen, dann konnte es losgehen. Es handelte sich ja nicht um irgendeinen Schulausflug oder eine Klassenfahrt.

Die Expedition war ein Teil des Internationalen Jugendprogramms, der Stiftung des Herzogs von Edinburgh. Ziel dieses Programms ist, sich in Gemeinschaft anderer Jugendlichen vielseitig weiterzuentwickeln, und zwar in folgenden Kategorien:

• Fitness: Man setzt sich ein sportliches Ziel, beginnt beispielsweise mit Taekwondo, was ich getan habe.

• Dienst: Man verrichtet soziale Arbeit, ohne einen materiellen Lohn dafür zu bekommen. In meinem Fall heißt das, dass ich jeden Sonntag in die Kirche gehe und ministriere.

• Talente: Auch auf diesem Gebiet gibt es unzählige Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln. Ich habe begonnen, Theater zu spielen.

Nach dem Einkauf stand vor allem eines fest: Es würden Pastareiche Tage werden... Die beiden Flüge auf dem Weg nach Malaga verliefen reibungslos, nur mussten wir uns immer wieder in Geduld üben und warten: Erst aufs Flugzeug, dann noch mal auf einen Flug und schließlich auf Pete (unseren Malaga-Guide) am Flughafen von Malaga.

Auf dem Weg zu unserem Basislager, einem Campingplatz mitten in einem Kiefernwald und an einem See gelegen, fuhren wir durch eine wunderschöne, malerische Landschaft, die in das goldene Licht des späten Nachmittags getaucht war: Sanfte Hügel, gewundene Sträßchen, aquamarinblauer, wolkenloser Himmel, endlose Zitronen- und Orangenplantagen und die rostrote Farbe der aufgesprungenen Erde begleiteten unseren Kleinbus auf der eineinhalbstündigen Fahrt.

Der Aufbruch am nächsten Tag war eher gemütlich, die Route wurde uns noch mal erläutert. schließlich ging es um zwölf Uhr von unserem Lager aus los. Zelte hatten wir keine dabei, wir mussten nämlich unvorhergesehen mehr Wasser tragen, mit Zelten wäre das Ganze zu schwer geworden, und deshalb würden wir unter freiem Himmel schlafen.

Die Wanderung selbst war sehr abwechslungsreich, was vor allem an den nicht ganz aktuellen Karten und dem sich ständig ändernden Terrain lag: Am Anfang sandig und rutschig, dann, auf einem Plateau, ganz flach mit ein paar Bäumen und Büschen, nur fünf Minuten später ein Steilhang mit Gras, riesigen Findlingen und Geröllbrocken. Was ich am ersten Tag sehr wichtig fand, war, dass wir alle lernen mussten, uns wirklich teamfähig zu verhalten. Klar, wir hatten das vorher alles mehr als einmal abgesprochen, aber die Anwendung ist eine ganz andere Sache: Man denkt zum Beispiel: Ach, so weit sind die Anderen doch gar nicht weg, wir können ruhig noch ein bisschen schneller gehen. Und schon ist es passiert: Die Gruppe ist geteilt. Was, wenn jetzt etwas passiert und sich die Teams wirklich nicht mehr wieder finden?

So wanderten wir also bis zum Abend, und es war ein tolles Erlebnis, nur mit einem Schlafsack und einer Isomatte unter freiem Himmel zu schlafen und die ganzen Sterne über sich zu sehen, die Sternbilder zu suchen und zu entdecken und sich den kühlen Gebirgswind ins Gesicht wehen zu lassen. Ich gebe zu, in manchen Nächten war das weniger romantisch: Es war eiskalt, und der Wind wurde hart und schneidend. Wir haben uns dann einfach alles angezogen, was wir an Kleidern dabei hatten, manche sind sogar in ihre riesigen, orangeroten Müllsäcke gekrochen, die alle dabeihatten. Wir müssen sehr komisch ausgesehen haben, aber das war uns in diesen Momenten ziemlich egal.

Überhaupt fand ich es sehr lustig, wie wenig wir ab dem ersten Tag auf unser Äußeres geachtet haben: Im Grunde war es uns bald ziemlich egal, ob wir nun verschwitzt riechen, unsere Haare fettig am Kopf kleben oder ob unsere Kleider vor Dreck starren. Jenny ein wenig ihre Höhenangst zu nehmen, die Ekel erregend schmutzigen Töpfe auszuspülen oder ein Pflaster für riesige Blasen an den Füßen zu finden war für den Moment einfach wichtiger. Außerdem roch es sowieso immer so intensiv nach dem wilden Rosmarin, dass eventuelle Körperausdünstungen fast nicht mehr wahrgenommen werden konnten. ;)

Wir haben es eigentlich nur einmal geschafft, uns richtig zu verlaufen: Auf unseren ungenauen Karten (Gordon hatte schon vor ewiger Zeit neue bestellt, doch sie waren nicht rechtzeitig angekommen) hatten wir einen viel „schnelleren“ Weg gefunden, der über einen Berg gehen sollte. Als wir jedoch oben angekommen waren, fragten die Erwachsenen durch das Walkie-Talkie, wo wir denn seien. Als sie erfuhren, dass wir diese Steilwand hinaufgeklettert waren, ließen sie uns sofort wieder runterkommen. Was wir nicht überdacht hatten: Hinaufklettern ist eine Sache, wieder hinunter eine ganz andere. Dieser ganze Umweg inklusive dem Vorkämpfen zum richtigen Weg hatte uns rund drei Stunden gekostet. So lernt man eben auf die harte Tour, was es heißt, sich die Karte nicht genau genug anzuschauen und nicht auf die Tipps des Guides zu hören. Was wir alle lernen mussten: Zieh dir unbedingt lange Wanderhosen an, egal wie heiß es ist. Es sei denn, du willst Beine, auf denen mehr tiefe Kratzer als Haut zu sehen ist. Besonders eine Art von sehr stacheligem Ginster und die Disteln sollte man versuchen weitläufig zu umgehen!!!

Wir hatten die ganze Zeit tolles Wetter, nur am letzten Tag war der Himmel geringfügig verhangen. Nach drei Tagen schwitzen, laufen und klettern kamen wir also an diesem kleinen Bahnhof an und setzten uns erst mal hin. Ich kann eigentlich nur sagen, dass ich einen Riesenspaß hatte und in diesem Moment einfach glücklich und stolz auf mich war, dass ich die Wanderung durchgezogen hatte. An dieser Stelle will ich insbesondere Gordon und Kath danken, die uns begleitet haben und so beeindruckend viel Geduld mit uns hatten. Und natürlich Grant, der dieses ganze Programm erst an unsere Schule gebracht hat und leider nicht mit dabei sein konnte. Ich bewundere euch und bedanke mich bei euch, dass ihr diese tolle Zeit für die anderen und mich möglich gemacht habt! Vielen Dank auch allen anderen, die zum Gelingen beigetragen haben und schließlich der Schulleitung, die uns mehrere Tage freigab.