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München: Bronzetour 2004 im Allgäu

Kuhweiden, Alphornbläser und Höhenlinien

Von NETZWERK-Reporter Felix Hartrampf

Textnummer: 516603

Erstellt am 2004/10/01, zuletzt geändert am 2008/09/02

Der Beitrag beschreibt aus der Innenperspektive die fast 30 Kilometer lange Bronzeexpedition, die eine Gruppe von sechs Programmteilnehmern der Europäischen Schule München im Juni 2004 im Allgäu erfolgreich durchführte.

Der Beitrag beschreibt aus der Innenperspektive die fast 30 Kilometer lange Bronzeexpedition, die eine Gruppe von sechs Programmteilnehmern der Europäischen Schule München im Juni 2004 im Allgäu erfolgreich durchführte.

Am Morgen des 25. Juni, einem Freitag, trafen sich die Teilnehmer der abschließenden Bronzeexpedition um kurz vor 7 Uhr am Münchner Hauptbahnhof, um mit dem Zug nach Kempten, dem Ausgangspunkt der Expedition, zu fahren. Nach ein paar kleineren Problemen mit den Karten fuhren wir, sechs Teilnehmer der Bronzestufe sowie vier Teilnehmer der Silberstufe, schließlich um ca. 7.10 Uhr los.

Nach knapp zwei Stunden recht ereignisloser Fahrt (fast alle schliefen entweder oder dösten vor sich hin) erreichten wir Kempten- Hauptbahnhof. Wir verabschiedeten uns von den „Silber-Leuten“, da diese noch weiterfahren mussten, um zu ihrem Ausgangspunkt zu kommen. Vom Bahnhof aus wurden wir von unseren Betreuern mit dem Auto zu dem von uns am Vortag geplanten Beginnpunkt gefahren. Nachdem auch letzte Umpackungen und Umlagerungen erledigt waren, gingen wir sechs bei bewölktem und deshalb angenehmen Wanderwetter los.

Die ersten sieben bis acht Kilometer wurden problemlos bewältigt (wenn man mal von der Überquerung einer Kuhweide absieht, während welcher sich das Marschtempo erstaunlich steigerte), doch dann wichen die Wolken der Sonne und die angenehm kühlen Wälder offenen Weiden, so dass wir uns nach etwas mehr als der Hälfte der Strecke für eine Mittagspause entschieden. Frisch gestärkt gingen wir nach einer Dreiviertelstunde weiter –und natürlich sofort in die falsche Richtung!

Einen Umweg von einem Kilometer (und einen heftigen Anstieg) später befanden wir uns aber wieder auf dem richtigen Weg und marschierten weiter in Richtung Campingplatz, den so mancher schon sehnlich erwartete. Als wir uns ungefähr einen Kilometer vor dem Ziel befanden, hörten wir plötzlich durchdringende Laute wie von einer großen Trompete. Wir dachten schon an ein Begrüßungskomitee, doch leider war es nur ein Alphornbläser, der ganz allein in freier Natur üben wollte, was bei seinem bescheidenen Können auch nicht verwunderlich war.

Als wir schließlich am „Campingplatz“ ankamen, folgte die nächste Enttäuschung: Wir sollten nicht auf der frisch gemähten Wiese, sondern auf der „etwas nassen Wiese daneben“ (Zitat Betreuerin) campieren, eine leichte Übertreibung angesichts der morastigen Fläche. Doch nach kleineren Streits wegen der idealen Stellflächen für unsere Zelte bauten wir unsere beiden Dreimannzelte auf.

In den nächsten Stunden plauderten wir mit unseren Betreuern, die von einem richtigen (!) Campingplatz gekommen waren, um nach unserem Zustand zu sehen, unseren Kameraden sowie den „Leidensgenossen“ aus der Silberstufe, die erschöpft eine Stunde später in unser Zeltlager stapften. Am Abend wurde es nach dem Abendessen trotz der Ermahnungen unserer Betreuer recht spät, da sechs Teilnehmer der beiden Stufen Franzosen waren, die das Spiel „ihrer“ Mannschaft im Radio verfolgten, was hitzige Diskussionen nach der späteren Niederlage nach sich zog.

Doch schon um kurz vor sieben am nächsten Morgen standen wir auf, um möglichst schnell und vor allem früh loszukommen und eine möglichst lange Strecke am kühlen Morgen zurücklegen zu können. In einer schon recht organisierten Aktion,(jedenfalls erheblich organisierter als bei der Probetour, verteilten wir in etwas mehr als 40 Minuten alle noch übrigen Sachen auf die Rucksäcke, nachdem wir gefrühstückt und die Zelte gefaltet hatten. So konnten wir schon um viertel vor acht aufbrechen, verfolgt von den kopfschüttelnden Blicken der Silberteilnehmer, die zu diesem Zeitpunkt noch verschlafen aus ihren Zelten schauten.

Jetzt machten wir die ziemlich anstrengende Erfahrung, was es heißt, bei der Routenplanung nicht so genau auf die Höhenlinien zu schauen! Denn wir bewegten uns in einer ziemlich hügeligen Gegend, bei der uns dieser Anfängerfehler sehr schnell sehr stark vor Augen gehalten wurde. Aber wir stapften weiter gen Martinszell mit der tröstlichen Gewissheit, dass wir an diesem Tag nur 12,5 Kilometer laufen mussten. Doch nachdem wir uns erst verlaufen und dann auf einer Kuhweide wiedergefunden hatten, war selbst der Fröhlichste unter uns schon merklich ruhiger geworden, sodass wir auf einem Berggipfel eine Pause einlegten. Nach einer kurzen Pause gingen wir auf einem Hügelkamm weiter, Martinszell in – so schien es uns zumindest – unerreichbarer Entfernung sehend.

Doch wir liefen einfach immer weiter, auch wenn die Sonne um ungefähr halb zwölf schon ziemlich stark schien. Zu diesem Zeitpunkt kam uns zugute, dass wir anfangs dieses Hügelauf und Hügelab-Laufen hinter uns gebracht hatten, denn jetzt ging es stetig leicht abwärts. Als wir dann am Beginn der letzten Etappe in einem kleinen Nest Pause machten, hörten wir plötzlich sonore Motorengeräusche, und Sekunden später brausten Dutzende von Oldtimern an uns vorbei den Berg hinauf. Diese tollen Momente nutzten alle dazu, ein paar Fotos zu machen.

Nach einem kurzen Stop nahmen wir die letzten Kilometer, die uns an einem See entlang führen sollten, in Angriff. Wie schon bei der Probetour machten wir die Erfahrung, dass es fast nichts Frustrierenderes gibt, als knapp drei Kilometer auf einer geraden Straße einen See entlang zu gehen. Manche schworen nach einer halben Stunde, dass „diese kleine Insel mitwandert“. Doch irgendwie bezwangen wir auch diese wirklich ermüdende Etappe und kamen am Bahnhof von Martinszell an, wo uns unsere Betreuer bereits mit Schokolade und Apfelschorle erwarteten.

Das war für uns, die wir in den letzten Tagen eine Nudeldiät durchgemacht hatten, eine willkommene Abwechslung. Nachdem wir noch ein paar Formalitäten erledigt hatten, verabschiedeten wir uns von ihnen, da sie die Silbergruppe im Auge behalten mussten. Eine halbe Stunde später saßen wir im Zug nach München, zwar ziemlich erschöpft, aber auch stolz auf die knapp 30 Kilometer, die wir insgesamt zurückgelegt hatten. Am Hauptbahnhof trennten wir uns schließlich und kehrten müde und glücklich nach Hause zurück.

Ich möchte an dieser Stelle besonders den Betreuern danken, die ihr Wochenende geopfert haben um uns diese Expedition zu ermöglichen und natürlich auch der Schule, die uns den Freitag freigegeben hat. Vielen Dank!