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Europäische Schule München: Silberexpedition 2004

Biwakplatz nicht zu finden!

Von NETZWERK-Reporterin Laura Hartrampf

Textnummer: 516703

Erstellt am 2004/10/01, zuletzt geändert am 2008/09/02

Zwei Silbergruppen mit je vier Schülern der Europäischen Schule München meisterten im Juni 2004 ihre dreitägige Abschlusstour im Allgäuer Gold-Expeditionsgebiet. Auch NETZWERK-Reporterin Laura Hartrampf war in einer Gruppe dabei.

Zwei Silbergruppen mit je vier Schülern der Europäischen Schule München meisterten im Juni 2004 ihre dreitägige Abschlusstour im Allgäuer Gold-Expeditionsgebiet. Auch NETZWERK-Reporterin Laura Hartrampf war in einer Gruppe dabei.

Nachdem wir am Vorabend unserer Silber-Expedition unsere Routen geplant und festgelegt hatten, ging es um 7.20 Uhr vom Hauptbahnhof endlich los Richtung Allgäu. Die Gruppen standen nun endgültig fest: Andrés, Stephanie, Josh und ich waren im einen Team, Alistair, Danny, Simon und die extra aus den USA angereiste Jenny bildeten die zweite Gruppe. Die Zelte, Essen, Erste-Hilfe-Packs und Kochgeschirr waren verteilt, wir würden von verschiedenen Startpunkten im Allgäu aus unsere Wanderung beginnen.

Nach der eineinhalbstündigen Zugfahrt nach Martinszell im Oberallgäu sollte die Wanderung losgehen. Nachdem einiges Gepäck umverteilt worden war (mein Rucksack wog an die 25 Kilo), traten wir unseren Weg auf einer mit Regenpfützen bedeckten Nebenstraße irgendwo im tiefsten bayrischen Nirgendwo an. Wir hatten 20 Kilometer als Route für den ersten Tag geplant, damit wir am letzten nicht mehr so viel zu laufen hatten.

Der erste Wegteil war kein Problem, auch der zeitweilige Nieselregen konnte die gute Stimmung nicht trüben. Nach der Hälfte des geplanten Weges machte uns die Sonne einen sowieso schon anstrengenden, weil andauernden Steilanstieg von 270 Höhenmetern zur Qual. Umso stolzer waren wir, als wir endlich verschwitzt, aber glücklich die Höhe unseres Campingplatzes erreicht hatten.

Wir wähnten uns schon am Ziel des ersten Tages, es lagen schon 22 Kilometer hinter uns, und wir fanden unseren Campingplatz – nicht! Er war einfach nicht aufzufinden. „Unsere zunehmend verzweifelte Suche führte uns über Bachläufe und durch den Wald, wir schlugen uns durch Brombeergebüsch und Unterholz, in der Hoffnung, in immer enger werdenden konzentrischen Kreisen den mit einem Kreuzchen auf unserer Karte markierten Campingplatz zu finden. Es war zwecklos.“

Schließlich fanden wir uns müde und entnervt auf einer Bergalm wieder, es war kein Campingplatz in Sicht und die Stimmung passte sich unserer miserablen Situation an. Nach einem Handygespräch mit Gordon stellten wir fest, dass wir das Kreuz zu weit südlich eingezeichnet hatten und die ganze Zeit nur zwei Kilometer vom Ziel entfernt gewesen waren. Nach einer ebenso unvermeidlichen wie abenteuerlichen Abkürzung über eine Jungbullenweide – diese Rindviecher hielten uns für lebensmüde Toreros und verfolgten uns im Galopp – kamen wir endlich hundemüde und schleppenden Schrittes nach 25 anstatt 20 Kilometern auf der sumpfigen Feuchtwiese an, die unsere Bleibe für die Nacht sein sollte.

Die Gespräche am Abend waren lang und die Nacht folglich eher kurz gewesen, deswegen blieben wir lieber in unseren Zelten als so vorbildlich zeitig wie die Bronzegruppe, die am selben Zeltplatz übernachtet hatte, aufzubrechen. Doch um 10 Uhr halfen auch die besten Ausreden nichts mehr, es ging weiter, diesmal nur 15 Kilometer weit zum nächsten „Campingplatz“, einer Wiese mit Gefälle vor einem Unterstand.

Nach der Hälfte des Weges erwartete uns eine Aufgabe, die unsere Orientierungsfähigkeit und den Umgang mit Karte und Kompass prüfen sollte. Nach einer kläglich langen Suche fanden wir endlich die zwei Stücke Kuchen, die uns an der zu suchenden Stelle erwarteten (sie wurden in Rekordgeschwindigkeit vernichtet). Nach weiteren zwei Kilometern Marsch entschieden wir uns für einen spannenderen Querfeldein-Pfad, der immer in der Nähe unseres eigentlichen Weges zu bleiben schien, aber durch Unterholz, hüfthohen Farn und Nadelwald führte.

Wir überquerten, wie schon so oft zuvor, einige Kuhweiden und Wasserläufe, diesmal waren jedoch auch ein Golfplatz und Pferdekoppel dabei. Um viele Kratzer (vom Unter- Stacheldrahtzäunen- Durchrutschen), Tannennadeln in den Haaren und Spaß reicher, trafen wir schließlich wieder auf den geplanten Weg. Auch wenn sich die „Abkürzung“ als Gegenteil herausgestellt hatte, für ein bisschen Spaß nimmt man das in Kauf.

Wir erreichten unseren Campingplatz zweieinhalb Stunden vor der anderen Gruppe, deren Route anscheinend noch gebirgiger ausgefallen war. Es gab, wie immer, Pasta zu essen, und wir schnappten uns den einzigen flachen Platz auf der Wiese vor dem Holzunterstand. Es kam uns sogar der Luxus eines Bauarbeiterklohäuschens zu, das etwas schief auf der Wiese mit Gefälle stand. Am Abend zählte Gordon die Kilometer der bereits gewanderten Strecke zusammen, was zu heftigen Diskussionen führte, da wir insgesamt mindestens 48 Kilometer schaffen mussten und keiner am letzten Tag auch nur zehn Meter weiter wandern wollte als unbedingt nötig.

Schließlich wanderte unsere Gruppe am dritten und letzten Tag bei windigen 26 Grad im Schatten noch neun Kilometer nach Eisenbolz, von wo wir nach Kempten zum Zug gefahren wurden. In den Abteilen erinnerten wir uns noch mal lachend an die vergangenen drei Tage, und obwohl diese ereignisreich, spannend und sehr lustig gewesen waren, waren alle froh, dass es wieder nach Hause, in Richtung Pizza, heißes Bad und weiches Bett ging.

Ich danke allen Helfern des Jugendprogramms, die uns wieder ein so tolles Erlebnis ermöglicht haben!