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München: Expeditionstraining im Allgäu

Trainingswochenende im Haus am Brunnenbach

von NETZWERK-Reporter Felix Hartrampf

Textnummer: 526502

Erstellt am 2005/02/07, zuletzt geändert am 2008/09/02

Bronze-, Silber- und Goldteilnehmer der Europäischen Schule München nutzten das letzte Novemberwochenende, um im Allgäu wichtige Expeditionsfertigkeiten zu lernen und zu üben. Zu den Teilnehmern gehörte auch der Verfasser des Beitrags.

Bronze-, Silber- und Goldteilnehmer der Europäischen Schule München nutzten das letzte Novemberwochenende, um im Allgäu wichtige Expeditionsfertigkeiten zu lernen und zu üben. Zu den Teilnehmern gehörte auch der Verfasser des Beitrags.

Vom 26. bis zum 28. November 2004 stand für die Teilnehmer aller Programmstufen nach dem Erste-Hilfe-Kurs für Silber- und Gold-Teilnehmer zwei Wochen zuvor die zweite Veranstaltung an, ein von Freitag- bis Sonntagnachmittag dauernder Lehrgang. Die Bronzeteilnehmer sollten in der Jugendherberge in der Nähe von Niedersonthofen die Grundlagen des „Expedierens“ lernen, die Teilnehmer von Silber und Gold hingegen erweiterte, auf den ein Jahr zuvor ebenfalls hier erworbenen Grundkenntnissen aufbauende Navigations- und Expeditionsfertigkeiten erlernen.

 

Freitag: Kurzweilige Rätselstunde vor dem Einschlafen

Am Freitag wurden alle Schüler ab 15.00 Uhr von der Schule frei gestellt, sodass sie bequem am Hauptbahnhof den Zug nach Immendorf um 16.15 Uhr erreichen konnten. Nach zweieinhalb Stunden größtenteils sehr unterhaltsamer Fahrt, ewiges Warten bei Buchloe und hektisches Umsteigen inbegriffen, kamen wir schließlich in Blaichach an. Von hier aus trennte uns nur noch ein zwanzigminütiger Fußmarsch von der Jugendherberge und dem Abendessen.

Nach dem Essen und einer kleinen Einleitung von Grant und Gordon wurde die mit Betreuern insgesamt um die 35 Personen starke Gruppe (übrigens eine Rekordanzahl) erstmals geteilt: Bronzeteilnehmer in den einen Raum, Silber- und Goldteilnehmer – wie auch während dem restlichen Wochenende – zusammengefasst in einen anderen. Während sich die Anfänger zuerst um ganz grundlegende Sachen wie das Packen eines Rucksacks oder die Wahl des richtigen Schlafsacks kümmerten, prüfte Gordon bei den drei schnell gebildeten gemischten Silber/Goldgruppen, was vom letzten Lehrgang ein Jahr zuvor hängen geblieben war.

Nach diversen Fragen zu Navigation und den Höhen einiger bekannter europäischer Berge kamen auch praktische Aufgaben an die Reihe. So musste zum Beispiel ein Mitglied der Gruppe mit verbundenen Augen ein Kochgeschirr aufstellen oder sich von den übrigen Mitgliedern in Silberfolie einpacken lassen, was zu sehr lustigen Szenen führte, da die Einzupackenden nicht immer eingepackt werden wollten und sich lebhaft wehrten. Da das Quiz sehr unterhaltsam war, merkten wir überhaupt nicht, wie die Zeit verging und waren sehr verwundert, als man uns nach dessen Ende mitteilte, dass wir jetzt entweder ins Bett gehen oder noch einen Film sehen könnten. Doch um kurz vor zehn mussten wir dann in Hinblick auf den nächsten, mit Terminen vollgestopften Tag, aufhören.

 

Samstag: Nachtwanderung mit Hindernissen

Am nächsten Morgen wurden wir in die Gruppen ein- und den Betreuern zugeteilt, so wie es dann das restliche Wochenende bleiben sollte. Zuerst brachen alle „Silber- und Goldlinge“ zusammen in Richtung eines kleinen Waldstücks auf, wobei schon erste Differenzen bei der Routenplanung auftraten, doch es kamen alle wohlbehalten an. Die „Bronzlinge“ hingegen unternahmen erste kurze Navigationsspaziergänge und übten an einem kleinen Weiher das Aufstellen von Zelten und das Kochen bei doch recht unangenehmer Kälte.

Inzwischen bekamen wir von Chris einige zusätzliche Kniffe der fortgeschrittenen Navigation gezeigt, wie das Pacing, das Messen von Entfernungen mit Doppelschritten, bei dem wir zuerst eine 100 Meter lange Strecke abgingen und uns die Zahl der Doppelschritte merkten. Das und die verbesserte Navigation mit dem Kompass waren auch nach dem Mittagessen, für welches uns Gordon erst die Handhabung eines Aktivkohlewasserfilters erklären musste, nötig. Denn, so teilte uns der Betreuer unserer Gruppe, Andy, mit, wir sollten uns einen x-beliebigen Punkt, wenn möglich einen Berg oder ähnliches, aussuchen und dort hinfinden.

Das Finden war kein Problem, nur das Hinaufsteigen, denn das wurde beim siebten steilen Anstieg doch recht anstrengend. Als Andy uns schließlich großzügig mitteilte, „wir hätten das ganz gut gemacht und uns eine kleine Pause verdient“, waren wir alle doch sehr erleichtert und erreichten zufrieden den Gasthof, wo wir zuerst einmal eine heiße Schokolade tranken, die bei unserer Verfrorenheit wahre Wunder wirkte.

Gordon, der eine halbe Stunde später mit den anderen beiden Gruppen eintraf, erklärte uns dann, was als Nächstes anstand. Etwas, das die eine Hälfte der Gruppe zu Begeisterungsstürmen und die andere Hälfte zu gemurmelten Verwünschungen hinriss: eine Nachtwanderung! Und zwar eine spezielle, denn wir sollten nicht ziellos in der Gegend herumlaufen, sondern dasselbe wie am früheren Nachmittag tun, nämlich Ziele auf der Karte bestimmen und dann auffinden.

So manchem wurde auf dem Marsch durch den plötzlich sehr viel dichteren und sehr dunklen Wald doch etwas mulmig, nichtsdestotrotz war es nach allgemeiner Meinung ein Highlight dieses Wochenendes. Leider mussten wir die Wanderung früher als geplant beenden, da mehrere Teilnehmer aufgrund schlechten Essens Bauchschmerzen hatten. Zurück in der Jugendherberge erwarteten uns schon die Bronzeteilnehmer, die, im Gegensatz zu den Silberdirekteinsteigern, nicht an der Nachtwanderung teilgenommen hatten. Nach dem Abendessen schauten wir noch den Film zu Ende und gingen dann um ungefähr zehn Uhr zu Bett, was aber manche nicht abhalten konnte, noch um einiges später Lärm zu machen.

 

Sonntag: Ohne Rücksicht auf Verluste den Berg hinunter!

Am nächsten Morgen schlurften ein paar ziemlich müde Gestalten in den Essraum und verwünschten die frühe Uhrzeit (7.30 Uhr), die Leute, die früher eingeschlafen waren, konnten sich ein Grinsen nicht verkneifen. Die Bronzlinge wurden um acht Uhr nach einem ungewohnt stillen Frühstück zu dem Startpunkt der von ihnen am Vorabend geplanten Route gefahren, die anderen mussten (oder durften) noch dableiben, da uns die Betreuer das Spiel zum Abschluss des Wochenendes erklären wollten.

Die Regeln waren folgende: Jede der drei Gruppen bekam eine Flagge mit einem selbst ausgedachten Codewort und musste sie in einem ungefähr bestimmten Areal platzieren und die genauen Koordinaten an die Betreuer durchgeben. Sobald alle ihre Flaggen platziert hatten, bekam man die Koordinaten der beiden anderen Fahnen von den Betreuern. Wenn man die beiden gegnerischen Fahnen gefunden hatte, musste man es dem Central Supervisor, in diesem Fall Gordon, mitteilen.

Nachdem wir, auf drei Vans verteilt, am Ausgangspunkt angekommen waren, bekamen wir unsere Flagge ausgehändigt und durften losmarschieren. Unsere Gruppe hatte als erste die Flagge platziert, doch wir wurden angewiesen, uns doch bitte ein bisschen mehr anzustrengen und die Fahne nicht 700 Meter vom Ausgangspunkt zu setzen. Wir nahmen unsere Betreuer beim Wort und trugen die Fahne bis zum Ende des uns zugewiesenen Gebiets und platzierten sie hinter einem Haufen gefällter Fichten, welche dort in Massen herumstanden.

Kurze Zeit später bekamen wir auch die anderen Koordinaten und marschierten los. Wir sahen gleich, in welcher Reihenfolge wir die beiden Fahnen abklappern mussten und tatsächlich fanden wir die erste auf Anhieb. Erst danach bemerkten wir, dass sich die letzte Fahne ca. 100 Höhenmeter unter dem jetzigen Standpunkt befand. Was danach kam war – zumindest für mich – einer der lustigsten Momente des Wochenendes: Mit dem Rucksack auf dem Rücken ohne Rücksicht auf Verluste durch den Wald den Berg hinunter rennen!

Uns war klar, dass es eigentlich gefährlich war, doch darauf achteten wir in dem Moment nicht. Völlig ausgepumpt und ziemlich dreckig kamen wir am Fuß des Hügels an. Es war genau die Stelle, an der wir gestern das Pacing und die Kompassnavigation geübt hatten. Nach einem kurzen Blick auf die Karte war klar, dass sich die ersehnte Flagge bei einem alten Baum am anderen Ende des Feldes befinden musste, also rannte ich los und fand die Flagge auch, während die anderen am Waldrand auf mich warteten, um die Koordinaten übergeben zu können.

Doch leider stellte sich heraus, dass es unmöglich war, einen der Betreuer zu erreichen. Nach kurzer Diskussion in der Gruppe einigten wir uns, zurück zum Ausgangspunkt zu laufen und dort auf das Eintreffen der anderen zu warten. Gesagt, getan, wir hatten schon ca. 20 Minuten bei Gordons gesessen, als wir plötzlich lauter werdendes Schimpfen hörten: die anderen Gruppen waren angekommen! Wie sich herausstellte, galt das Schimpfen uns beziehungsweise unserer Flagge, die wir wohl etwas zu raffiniert platziert hatten.

Mittlerweile war es Mittag geworden, und wir machten uns via Van auf den Weg zum Immenstädter Bahnhof. Als wir dort ankamen, warteten die Bronzlinge schon mindestens eine halbe Stunde auf unser Eintreffen und waren dementsprechend stolz, doch als sie dann hörten, dass wir im Gegensatz zu ihnen unsere Route unabhängig von jeder Straße planen konnten, wurden sie doch etwas neidisch.

 

Zum Schluss: Tadel, Lob und Dank

Kurz bevor der Zug Richtung München Hauptbahnhof abfuhr, bat Grant uns noch einmal zu sich. Er war diesmal ausnahmsweise nicht gut gelaunt, und das aus einem triftigen Grund, denn ein paar Leute, deren Namen er nicht sagen und auch nicht wissen wollte, hatten sich in der letzten Nacht daneben benommen. Doch davon einmal abgesehen lobten er und Gordon, neben den vielen freiwilligen Helfern zusammen mit Chris die Hauptkoordinatoren der Expeditionen, das gute Gruppenverhalten und die Fähigkeiten der Teilnehmer, besonders bei Bronzeteilnehmern und Silberdirekteinsteigern, für die es die erste Expedition war.

Während der zweistündigen Zugfahrt war es recht ruhig, denn die erste Expedition (Bronze) bzw. das ständige Querfeldeinlaufen (Silber/Gold) war, entgegen einigen vollmundigen Behauptungen, doch recht anstrengend gewesen. Am Bahnhof angekommen, verabschiedeten wir uns von den Kameraden, vor allem aber bedankten wir uns bei den Betreuern, die uns dieses tolle Wochenende erst ermöglicht haben. Ich möchte mich bei ihnen und bei der Schule (wegen der Freigabe des Freitagnachmittags) an dieser Stelle noch einmal herzlich bedanken!