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Holzwege: Der Feldweg

HOLZWEGE, Folge 2: Der Feldweg

von Karsten Vogel

Textnummer: 699803

Erstellt am 2010/09/06, zuletzt geändert am 2010/09/07

Zweite von insgesamt acht Folgen des Berichts von Karsten Vogel zu seiner Gold-Expedition „Holzwege“, die er um die Osterfeiertage im Wildnisgebiet Südschwarzwald in Form einer „Besonderen Naturunternehmung“ erfolgreich durchführte (NETZWERK berichtete).

von Karsten Vogel

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Zweite von insgesamt acht Folgen des Berichts von Karsten Vogel zu seiner Gold-Expedition „Holzwege“, die er um die Osterfeiertage im Wildnisgebiet Südschwarzwald in Form einer „Besonderen Naturunternehmung“ erfolgreich durchführte (NETZWERK berichtete).

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So machte auch ich mich auf den Weg, Heideggers Lebenslinien zu folgen. Zur Einstimmung las ich den Feldweg (und hörte mir auf YouTube Heideggers eigene, leider reichlich trockene und monotone Lesung dieses wunderbaren Textes sowie Hannah Arendts Erinnerungen an Martin Heidegger an) und stöberte in weiteren Werken des Philosophen. An einem wunderschönen Sonntag einige Wochen vor der Expedition begab ich mich dann per Zug und Bus in den „badischen Geniewinkel“ Meßkirch, zum Geburtsort Heideggers, wo sein Elternhaus und Grab sowie das kleine, aber sehenswerte Heidegger-Museum zu finden sind. Dort wurden mir die Denk- und Lebenswege Heideggers noch einmal näher gebracht.

Für mich interessanter war aber der berühmte, von Heidegger beschriebene Feldweg, sozusagen die erste Etappe meiner Tour: Schließlich wollte ich keine Hausarbeit schreiben, sondern mich im Jugendprogramm-Sinne handfest mit meinem Thema befassen. Leider kann man sich auf dem geteerten, heutzutage vielleicht etwas charakterlosen Weg nur mit etwas Phantasie vor Augen rufen, wie Heidegger hier einst entlanggegangen ist: Er läuft aus dem Hofgartentor zum Ehnried. Die alten Linden des Schloßgartens schauen ihm über die Mauer nach ... Vom Feldkreuz her biegt er auf den Wald zu. An dessen Saum vorbei grüßt er eine hohe Eiche, unter der eine roh gezimmerte Bank steht. Darauf lag bisweilen die eine oder die andere Schrift der großen Denker... (Der Feldweg). Immerhin, die alten Wegmarken waren noch alle da: der Schlossgarten, das Tor, die Heideggerbank (leider nicht mehr das Original) und selbst die alte Eiche. Eine leicht melancholische Stimmung und ein gemütlicher Spaziergang von einer knappen Stunde.

Die nächste Station meiner Vorbereitungen war dann die sehr kurzfristige Routenplanung, die mir eine fast schlaflose Nacht einbrachte. Bei der groben Bestimmung des Expeditionsgebietes einigte ich mich mit meinem Vater einigermaßen rasch auf eine Route von Westen her zunächst den Lauf der Wutach hinauf, sodann zur Steina, diese hinauf und weiter bis zum Schluchsee, diesen entlang und Richtung Feldberg und schließlich über Feldberg und Lachenwasen nach Todtnauberg und auf dem Heideggerrundweg die Tour abschließen. Natürlich war das eine ziemlich saftige Tour über viele Höhenlinien, aber jedenfalls doch machbar. Viel Arbeit bei der Routenbeschreibung hätte ich mir aber sparen können, wenn ich gleich akzeptiert hätte, dass es im Tourigebiet Südschwarzwald kaum eine andere Wahl gibt, als Wanderwegen zu folgen; sich das Navigieren hier künstlich durch seltsame Routen zu erschweren und so auch noch die schönsten Flecken zu meiden, kann es ja auch nicht sein. Schlafen würden wir natürlich im Tarp (was bei der Touren im Wildnisgebiet eigentlich auch nicht gemacht werden darf).

Am Tag vor der Tour fuhren wir mit dem Auto dann in den Schwarzwald zu unserem Basislager in einer Ferienwohnung in Schluchsee: das dreiköpfige Expeditionsteam, meine Mutter, die die Gutachterin sein würde (ähem... das sollte bei einer ‚gewöhnlichen’ Expedition natürlich ebenfalls vermieden werden), und ihr Begleiter und zweiter Familienhund, Berner Sennenhund Matti – fast ein Familienausflug. Vor Ort kauften wir unsere Verpflegung (allein ungefähr so eine halbe Tonne Bot und Wurst, doch dazu später...) und letzte Utensilien: Besonders für die wasserdichten Wanderhosen würden wir bald dem Himmel danken. Nicht zu vergessen in unserer Ausrüstung: Heideggers Feldweg.

 

Links zu den weiteren Folgen

  1. Teil 1: Eine besondere Herausforderung

  2. Teil 2: Der Feldweg

  3. Teil 3: Die Wutach-Schlucht

  4. Teil 4: Holzwege

  5. Teil 5: Das Schneebiwak

  6. Teil 6: Die Schneewanderung

  7. Teil 7: Zivilisation

  8. Teil 8: Die Hütte