Sektionen
Sie sind hier: Startseite Netzwerk Artikel Teilnehmer Aktivitäten Expeditionen
Holzwege: Die Hütte

HOLZWEGE, Folge 8: Die Hütte

von Karsten Vogel

Textnummer: 700401

Erstellt am 2010/09/07, zuletzt geändert am 2010/09/07

Achte und letzte Folge des Berichts von Karsten Vogel zu seiner Gold-Expedition „Holzwege“, die er um die Osterfeiertage im Wildnisgebiet Südschwarzwald in Form einer „Besonderen Naturunternehmung“ erfolgreich durchführte.

von Karsten Vogel

Textnummer:

Erstellt am: , geändert am:

Fotos:

Achte und letzte Folge des Berichts von Karsten Vogel zu seiner Gold-Expedition „Holzwege“, die er um die Osterfeiertage im Wildnisgebiet Südschwarzwald in Form einer „Besonderen Naturunternehmung“ erfolgreich durchführte.

***

Meine Mutter holte uns mit dem Auto ab; es gab eine lange Diskussion darüber, ob wir diesen letzten, ganz dem Thema gewidmeten Teil der Expedition nicht lieber am nächsten Tag in aller Frische nachholen sollten. Doch wir entschieden uns, gleich einen Schlussstrich zu setzten und fuhren zur Jugendherberge in Todtnauberg, in deren Nähe der Heidegger-Rundweg und seine Hütte lagen.

In Todtnauberg sahen wir sofort, dass unsere Routenänderung die einzig richtige Entscheidung gewesen war. Falls möglich, lag hier der Schnee noch höher als am Kapellenkopf - und die Bergseite wimmelte von Skifahrern! Die Frage war jetzt, ob wir den Heidegger-Rundweg bei diesen Verhältnissen überhaupt begehen konnten. Zwei Vorteile hatten wir im Vergleich zu gestern: die Rucksäcke mussten wir jetzt nicht mehr tragen und das Wetter hatte sich auch gemacht.

Tatsächlich konnten wir ein gutes Stück des Weges zurücklegen (bis zur einigermaßen versteckten Heidegger-Hütte). Jedoch war der Rundweg mit seinen spärlichen, oberflächlichen Infoschildern jetzt auch nicht gerade die ultimative Heidegger-Erfahrung, zumindest, wenn man vorher bereits anderweitig zu dem Mann recherchiert hatte. Die Hütte war dennoch einen Blick wert: Kaum vorstellbar, dass der Mann es da drin aushalten konnte – zusammen mit seiner Frau! – , ohne dass ihm die Decke auf den Kopf flog; er scheint es mit dem Einfachen wirklich ernst gemeint zu haben. Mit dieser letzten kleinen Impression – und einem Abschiedessen im „Schamlztöpfle“ – beschlossen wir unsere philosophische Tour.

Was bleibt? Zunächst Erkenntnisse für die Tourenplanung: Für ein „Kopf-Thema“, das heißt eines, das den Geist intensiv beschäftigen soll, kann man sich keine Route wählen, die jeden Tag zwischen 500 und 800 Höhenmetern überwindet und dabei über teils schwierigsten Untergrund führt (von engen, glitschigen Steilpfaden bis zu Tiefschnee), gleichzeitig eine Biwakart wählen, die jeden Tag zwei bis drei Stunden intensives, kreatives Auf- und Abbauen fordert, dabei allein für die Navigation zuständig sein und zusätzlich noch einen vierbeinigen Begleiter mit auf Tour nehmen, der ebenfalls häufig ungeteilte Aufmerksamkeit verlangt – und das in einer Jahreszeit, in der es auch gerne mal mehrere Tage regnen oder sogar schneien kann (in der Hinsicht hatten wir unverschämtes Glück). Es funktioniert nicht. Von überbeladenen Rucksäcken ganz zu schweigen.

Dennoch war diese Tour für mich persönlich eine wichtige Wegmarke, voller Eindrücke, Erlebnisse, Erfahrungen und Prüfungen, die ich nie vergessen werde – die wichtigsten habe ich dargestellt. Und, auch wenn es kaum philosophische Gespräche gab, das Denken an und das Sich Beschäftigen mit Heidegger hat mir Zugänge zu seinen Gedanken, zu seinen Werken und Wegen eröffnet, die ich anders nicht gewonnen hätte. Dafür bin ich dankbar.

Wer sich auf den Weg des Denkens begibt, weiß am wenigsten von dem, was als die bestimmende Sache sich – gleichsam hinterrücks über ihn weg – zu ihr bewegt. (Wegmarken)

 

Links zu den weiteren Folgen

  1. Teil 1: Eine besondere Herausforderung

  2. Teil 2: Der Feldweg

  3. Teil 3: Die Wutach-Schlucht

  4. Teil 4: Holzwege

  5. Teil 5: Das Schneebiwak

  6. Teil 6: Die Schneewanderung

  7. Teil 7: Zivilisation

  8. Teil 8: Die Hütte