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Kristin: „Jalla, jalla - auf nach Israel!“

von Kristin Popp, Osterburken

Textnummer: 088402

Erstellt am 2005/05/22, zuletzt geändert am 2008/09/02

Der Israel-Abend am jüdischen Neujahrsfest Ende September 2000 in Osterburken war dem Rückblick auf die zweite Jugendbegegnung im Heiligen Land gewidmet. Kristin, Teilnehmerin am Ganztagesgymnasium, trug dabei diesen Erlebnisbericht vor.

Der Israel-Abend am jüdischen Neujahrsfest Ende September 2000 in Osterburken war dem Rückblick auf die zweite Jugendbegegnung im Heiligen Land gewidmet. Kristin, Teilnehmerin am Ganztagesgymnasium, trug dabei diesen Erlebnisbericht vor.

Am 28. Juli diesen Jahres war es endlich soweit! Der Tag, dem alle Teilnehmer entgegengefiebert hatten, war endlich gekommen. Die Abreise nach Israel stand bevor. Um 5.30 Uhr versammelten wir uns alle am Busbahnhof und warteten gespannt auf unsere Abfahrt. Nur einer fehlte. Nachdem auch sein Handy ihn nicht aufwecken konnte, wurde ein Weckteam zu ihm geschickt. Das war kein Problem, da dieser Nachzügler in der Nähe der Bushaltestelle wohnt. Mit einer ca. halbstündigen Verspätung ging es dann los! Die Stimmung im Bus war geprägt von Müdigkeit, Aufregung und Freude auf die bevorstehende Woche. Als wir in Frankfurt am Flughafen angekommen waren, stießen die Eschelbacher zu uns. Nun ging es richtig los. Nach dem Einchecken wurden noch die Vorräte an lebensnotwendigen Dingen im Duty Free Shop aufgefüllt. Als nun auch diese wichtige Sache erledigt war, ging es ins Flugzeug und um 10.10 hoben wir ab! Da es ein Nichtraucherflug war, waren einige von uns aufs heftigste vom Entzug geplagt und versuchten diesen durch Alkohol zu verdrängen.

Um 15.10 Ortszeit landete unser Flieger auf dem Ben-Gurion Flughafen in Tel Aviv. Als wir aus dem Flugzeug stiegen, stand die Luft erst mal wie eine Wand vor uns. So ein tolles Wetter waren wir vom kalten Deutschland gar nicht mehr gewohnt. In der Halle des Flughafens traf uns fast der Schlag. Vor der Passkontrolle stand eine riesige Schlange. Nach endlosen Kontrollen trafen wir auf Aviva, die Leiterin des israelischen Jugendprogramms und Esam, der schon im letzten Jahr als Leiter in Deutschland dabei war.

Wir wurden zu einem Bus gebracht und fuhren zu den verschiedenen Gastfamilien. Wir alle waren in völlig anderen Teilen des Landes untergebracht und sollten dort zwei Tage verbringen. Stefan und ich hatten am weitesten zu fahren und waren sehr gespannt, wasuns in Taibeh, einer völlig arabischen Stadt erwartete. Nachdem wir die ganze Familie kennen gelernt hatten, wurden wir auf eine arabische Hochzeit eingeladen. Es war ein wirklich toller Anblick. Alles tanzte, eine Band spielte und es waren mehrere hundert Leute da. Als erstes gab es etwas zu essen und Stefan und ich hatten das Gefühl zu platzen. Die Gastfreundschaft der Leute überwältigte uns und nachdem wir uns dort eine Weile vergnügt hatten, fuhren wir mit Helal, dem Sohn der Familie und zwei von seinen Freunden nach Tel Aviv. Dort war die Hölle los. Wir bummelten die Strandpromenade entlang und ließen uns schließlich an einer Bar direkt am Strand nieder. Wir genossen das Nachtleben bei ungefähr 24 Uhr und um halb vier fuhren wir zurück. Nach einstündiger Fahrt, auf der Stefan und ich schon tief geschlafen hatten, erreichten wir Taibeh und fielen todmüde in unsere Betten.

Wir schliefen bis mittags durch und gingen dann an den Strand, um das Wetter auszunutzen, uns zu bräunen und im Meer zu planschen. Nach dem Abendessen besuchten wir einen Palästineneser, der uns in einem aufschlussreichen Gespräch seine Sicht der politischen Differenzen näherbrachte und uns als Zeichen der Verbundenheit mit Schmuck beschenkte. An diesem Abend kamen wir etwas früher ins Bett, aber wir mussten am nächsten Morgen auch schon früher aufstehen.

Dann ging die Fahrt in das Nautical Sportscamp in Akko los. Im Bus trafen wir auch wieder auf einige Teilnehmer unserer Gruppe. Im Camp angekommen, warteten wir gespannt auf den Beginn des Programms. Als erstes wurden immer zwei Deutsche zu einer israelischen Gruppe zugeteilt und wir lernten unsere Betreuer kennen. Und nun ging das Programm gleich richtig los. Kennenlernrunden, Einführung in das Verhalten auf dem Wasser und die Einführung ins Kajakfahren. Nach dem Abendessen konnte man wahlweise Fussball, Basketball oder Volleyball spielen und um 22 Uhr traf sich die deutsche Gruppe im Raucherzimmer, um noch mal über die am nächsten Abend bevorstehende Präsentation zu reden. Nach und nach lernten wir auch schon jede Menge Leute kennen und blieben ziemlich lange auf, obwohl wir wussten, dass es am Morgen um 6 Uhr aufstehen hieß.

Entsprechend müde waren wir auch und der Frühsport wurde sehr verschlafen in Angriff genommen. Nach dem Frühstück fuhren wir in ein Schwimmbad, wo einige Wettkämpfe auf dem Programm standen, in denen unsere Teilnehmer sehr erfolgreich waren. Nach dem Mittagessen besichtigten wir eine Burg in Akko und kauften Postkarten, denn- ein bisschen Neid bei den Daheimgebliebenen sollte schon sein! Eigentlich hätten am Nachmittag einige Lehrgänge auf dem Programm gestanden, doch unsere deutschen Betreuer schafften es uns einen freien Nachmittag zu verschaffen mit dem Argument, dass wir unsere Präsentation vorzubereiten hätten. Einige von uns nutzten diese Zeit jedoch um versäumten Schlaf nachzuholen. Um 20 Uhr begannen die Präsentationen und die deutsche Gruppe kam nach den vielen Beiträgen der verschiedenen israelischenGruppen als letzte an die Reihe.

„Ein Jahr Deutschland mit all seinen Highlights.“ Unser erstes Highlight war Fasching, und zwei von uns heiterten als Huddelbetzten verkleidet und mit dem Lied „Kerl wach uff!“ das Publikum auf. Zu Ostern stand natürlich ein Osterhase auf dem Programm. Die einzelnen Programmpunkte wurden natürlich profimäßig von Katharina und Helle auf Englisch erklärt. Auf Ostern folgte die Love Parade , bei der zwar die Musik am Anfang nicht mitspielte, die aber trotzdem noch ein voller Erfolg wurde, da viele Zuschauer schließlich auch mittanzten. Kerwe wurde mit einem Boxbeutel Wein begossen und zumOktoberfest gab es gleich ein ganzes Fass Bier. Am Tag der deutschen Einheit lieferten uns Frank und Jan eine tolle Show, bei der sie zu den Klängen von „The Wall“ von Pink Floyd eine Mauer aus Pappe zerrissen und in selbstbemalten T-Shirts das Publikum zum Lachen brachten. An Weihnachten kam natürlich kein anderer als der Weihnachtsmann und brachte gleich Knecht Ruprecht mit, der einigen aus unserer Gruppe mal leicht einen Hieb mit der Rute verpasste. Und zum Abschluss unserer Präsentation an Silvester gab es noch ein Liedchen von unserer Seite.

Am nächsten Morgen hieß es schon um 5 Uhr aufstehen, da wir eine lange Fahrt nach Jerusalem vor uns hatten. Nach ca. einer Stunde Fahrt stieß die Gruppe der Erwachsenen zu uns und wir tauschten unsere bisherigen Erlebnisse aus. In Jerusalem angekommen stand als erstes ein Besuch im Holocaustmuseum auf dem Programm. Mir selbst und ich glaube auch allen anderen gingen die Eindrücke sehr unter die Haut und wir brauchten einige Zeit um das Gesehene zu verkraften. Danach brachte uns ein Bus in die Innenstadt von Jerusalem. Dort erwartete uns ein Führer, der uns die ursprüngliche Stadt mit seinem arabischen, jüdischen und christlichen Viertel näherbrachte. Zum Abschluss mussten wir natürlich noch unsere Sorgen an der berühmten Klagemauer loswerden. Das durfte auf keinen Fall fehlen. Nach kollektivem Klagen machten wir uns an die Rückfahrt ins Camp.

Am nächsten Morgen hieß es wieder um 6 Uhr aufstehen und um halb sieben Frühsport. Doch nach dem Frühstück wurde es richtig lustig. Wir gingen segeln. Um den Spass noch zu erhöhen, ließ sich so mancher im Rettungsring hinter dem Boot herziehen. Am Mittag fuhren wir in die Hafenstadt Haifa. Dort wurden wir über die Flucht der Juden nach Israel nach dem 2. Weltkrieg informiert. Kultur durfte natürlich auch nicht fehlen und wir besichtigten eine Kirche. Am Abend war Sport angesagt – 1,5 Kilometer Joggen, das durch einige lustige Lieder aufgeheitert wurde. Unser anschließend geplantes Lagerfeuer fiel leider sehr kurz aus, da sich die Nachbarn über zu laute Musik beschwerten.

Der Frühsport am nächsten Morgen fiel aus, dafür standen alle möglichen Wettkämpfe am Strand auf dem Programm. Dort hörte man auch sehr oft den beliebten Schlachtruf „Jalla Jalla“ der soviel bedeutet wie „Auf, los geht's!“. Wir hatten bei den verschiedenen Spielen sehr viel Spass und jede Gruppe strengte sich mächtig an. Mittags war dann endlich die Bootsregatta an der Reihe. Es war ein riesengroßer Spass, auch wenn ein Boot kenterte, da an diesem Tag ein sehr starker Wind herrschte. Unsere Gruppe mit Helle, Katharina, Nicole, Stefan, Jörg, Lukas, der anderen Katharina, mir und unserem Betreuer Noam an Bord gewannen das Rennen klar und deutlich.

Dann fingen leider auch schon die Vorbereitungen für unsere Abreise an. Am Abend gab es eine Abschiedsparty und alle feierten ziemlich lange.

Und dann war er da. Der Tag, den alle am liebsten noch hinausgezögert hätten. Die Abreise stand bevor. Es wurden Abschiedsfotos geschossen, Adressen ausgetauscht und natürlich musste man sich von allen nun schweren Herzens verabschieden. Auch von zwei der dt. Gruppe verabschiedeten wir uns, da diese noch einen Tauchurlaub in Ägypten verbrachten. Spätestens bei der Landung im kalten Frankfurt war es uns klar: Unsere tolle Woche in Israel mit all ihren überwältigenden Eindrücken, die wir nie mehr vergessen werden, war vorbei.

Doch die Vorbereitungen für nächstes Jahr laufen schon auf Hochtouren und einige von uns hoffen sicher, dass es für sie dann auch wieder heißt: JALLA JALLA AUF NACH ISRAEL!!!!!