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Katharina zur Gold-Expedition: „Es war DAS Erlebnis!“

von der NETZWERK-Redaktion

Textnummer: 130307

Erstellt am 2004/05/30, zuletzt geändert am 2010/04/18, begonnen am 1994/08/20

Für die Goldstufe des Jugendprogramms war Katharina, Mitglied des NETZWERK-Teams, im Sommer 1994 mit einer Gruppe britischer Seekadetten in den Allgäuer Alpen unterwegs. NETZWERK führte mit ihr anschließend das folgende Gespräch.

von der NETZWERK-Redaktion

Textnummer:

Erstellt am: 20. August 1994, geändert am:

Fotos:

Für die Goldstufe des Jugendprogramms war Katharina, Mitglied des NETZWERK-Teams, im Sommer 1994 mit einer Gruppe britischer Seekadetten in den Allgäuer Alpen unterwegs. NETZWERK führte mit ihr anschließend das folgende Gespräch.

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Am Schluß des Zeitungsartikels wirst du mit den folgenden Worten zitiert: „Ich bin vor allem hierhergekommen, um Leute aus England kennenzulernen“. Was ist aus deinem Vorsatz geworden?

In den wenigen Tagen habe ich nicht nur wie erhofft englische Jugendliche kennengelernt, sondern sogar neue Freundschaften geschlossen – Hilfsbereitschaft und Offenheit der Jugendlichen waren super.

Hat es dir keine Schwierigkeiten bereitet, als Außenstehende, dazu noch aus einem anderen Land, Anschluß in einer so großen fremden Gruppe zu finden?

Am Anfang hatte ich schon erhebliche Bauchschmerzen. Zunächst konnte ich mir, aber auch niemand aus meinem Bekanntenkreis, etwas unter „Seekadetten“ vorstellen. Waren das vielleicht sogar besonders ausgebildete Leute und eine Viertagestour im Gebirge für sie reine Routine? Würden meine Elftklässler-Sprachkenntnisse für das zehntägige intensive Zusammenleben insbesondere auf der Expedition ausreichen? Aber schon in den ersten gemeinsamen Stunden erwies sich die Gruppe als Jugendgruppe wie andere auch, die mich schnell in die Rolle eines normalen Mitglieds schlüpfen ließ.

Und die Sprache?

Nun, damit hatten sie auch selbst ihre Probleme. Die Gruppe bestand ja aus Jugendlichen aus dem ganzen Land, und mit so manchem Dialekt hatte nicht nur ich zu kämpfen. Daß die Gruppe aus ganz Großbritannien zusammengewürfelt war, hatte aber für mich auch einen großen Vorteil: auch die englischen Jugendlichen lernten sich erst in Burgberg kennen.

Wie kam die Tatsache, daß es Seekadetten waren, denn zum Ausdruck?

Beim Umgang miteinander und auf der Expedition überhaupt nicht – die Seekadetten sind offensichtlich eine ganz normale Jugendorganisation. Beim Kajakfahren merkte ich allerdings sehr schnell, daß sie mit dem Wasser doch besser zurecht kamen als ich...

Soweit ich weiß, standen auch noch andere natursportliche Aktivitäten auf dem Programm.

Ja, aber nicht für die ganze Gruppe: parallel zum Kajakfahren konnte an der Übungswand geklettert werden, für Geübte gab es sogar Eisklettern. Wegen eines Bus-Defektes mußte das vorgesehene Wildwasser-Rafting leider ausfallen.

Wer hat diese Aktivitäten geleitet?

Die Gruppe hatte eigene Ausbilder dabei, wurde aber insbesondere beim Klettern durch Don, einem Mitarbeiter von Mike, unterstützt.

Den du ja bereits kanntest...

.. als Kletterlehrer in Italien, ja.

Anlaß für deinen Besuch in Burgberg war die gemeinsame Goldtour mit deinen neuen Freunden. Was habt ihr gemacht?

Eine ganz normale Expedition zu Fuß, wie wir es beim Programmlehrgang gelernt und zuletzt in Italien praktiziert hatten. Da die Engländer wie auch ich bereits hinreichend vorbereitet waren – auch die ersten beiden Proberunden hatten alle bereits hinter sich – konnten wir sofort mit der Planung der letzten Vorbereitungstour beginnen.

Was war zu tun?

Bereits am ersten Tag waren Gruppen und Betreuer für die Viertagestour eingeteilt worden – sogar die Dienste im Haus wurden nach dieser Einteilung vorgenommen. In diesen Gruppen – wir waren zu sechst – wurde auch die Probetour vorbereitet: Routenplanung, Ausrüstung usw.

Hattest du dabei Probleme?

Nein, bei den Touren in Italien hatte ich doch noch einiges, insbesondere im Bereich Navigation und Routenplanung, gelernt. Allerdings war die Kleidung, die ich bisher bei den Touren gewohnt war und auch in Burgberg dabei hatte, bei weitem nicht so professionell wie die der britischen Gruppe, die hier sehr genau war. Fehlende Teile wie z.B. eine richtige Trekkinghose wurden mir aber zur Verfügung gestellt, so daß es keine Probleme gab.

Streckentabelle, Zeitenberechnung, Kartenmaterial – alles wie bei uns?

Die Streckentabelle war praktisch identisch mit der, die wir in Italien verwendet hatten. Bei der Berechnung der Gehzeiten war ich im Vorteil, da ich recht gut wußte, wie die Höhenunterschiede zu berücksichtigen waren. Probleme hatte ich mit dem UTM-Gitter, das in Deutschland in den normalen topographischen Karten ja nicht eingedruckt ist. Gearbeitet haben wir mit 50.000er-Karten, die zwar nicht so detailreich wie die 25.000-er sind, aber dafür eine viel größere Fläche abdecken.

Die Probetour habt ihr als Zweitagestour durchgeführt.

Am ersten Tag gab es, vom ZDF teilweise begleitet, eine vergleichsweise harmlose Wanderung von Thalkirchdorf zum Lagerplatz in der Nähe der Talstation der Hochgratbahn auf knapp 900 Metern. Am nächsten Morgen ging es dann im Nebel, der das ZDF-Team zum Abreisen bewog, mit der Seilbahn bis zur Bergstation, die auf ungefähr 1700 Meter liegt. Von dort aus ging es über den 1832 Meter hohen Hochgrat auf einem tollen Gratwanderweg über Rindalphorn, Gründleskopf, Buralpkopf, Sederstuiben, Stuiben, Steineberg und Mittag bis nach Immenstadt zurück.

Ein ziemlich anspruchsvolles Programm hattet ihr da am zweiten Tag...

Ja, und wir waren deshalb auch elf Stunden unterwegs.

Die richtige Einstimmung auf die Viertagestour, die dann drei Tage danach startete.

Bestimmt. Vor allem hatte man sich in der Gruppe nun kennengelernt, man wußte über Stärken und Schwächen jedes einzelnen recht gut Bescheid.

Also dann: 80 Kilometer Alpen in vier Tagen...

Die Gruppen starteten nacheinander im Lodge, wir waren um neun Uhr an der Reihe. Bei strömenden Regen, der später in ein stürmisches Gewitter überging, führte uns die erste Etappe wiederum zum Hochgrat, diesmal aber zu Fuß und auf einer anderen Route. Wie es sich gehört, haben wir uns auch gleich am ersten Tag gründlich verlaufen, schließlich aber doch noch mit zweistündiger Verspätung gegen abend das Ziel erreicht.

Die Rucksäcke – schwerer als bei den früheren Touren?

Eigentlich nicht, da z.B. auf dem Weg jede Menge Wasser zur Verfügung stand.

Neuland dann aber bestimmt an den weiteren Tagen.

Über den Hochgrat, nun vollständig im Nebel, machten wir zunächst einen kleinen Bogen ins Österreichische, und von da aus entgegen der ursprünglichen Planung wegen des immer schlechter werdenden Wetters auf ziemlich direktem Weg zur Scheidwang Alm zu unserem zweiten Biwak, die fast gleichzeitig mit der zweiten Goldgruppe erreichten. Danach wurde die Tour immer mehr zu einer Expedition im wahrsten Sinne des Wortes, da für die dritte Übernachtung plötzlich ein anderer Platz anzugehen war und auch am letzten Tag von der ausgearbeiteten Route in erheblichem Umfang abgewichen werden mußte. Für diese Erschwernisse wurden wir aber durch zunehmend besseres Wetter belohnt, auf dem Rückweg nach Burgberg, das wir am Samstag nachmittag erschöpft aber glücklich erreichten, schien sogar die Sonne.

Was hat dir die Tour technisch gebracht?

Die Bestätigung, wie wichtig eine gründliche Vorbereitung ist, und daß wirklich jedes Gruppenmitglieder sicher mit Karte und Kompaß umgehen können muß.

Und persönlich?

Es war DAS Erlebnis. Eines, das eigentlich jeder braucht – vor allem, um sich selbst besser kennenzulernen.

Quelle: NETZWERK 1/1995