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Claudia: Lernen einmal anders

von Britta Janzen

Textnummer: 140702

Erstellt am 2005/05/23, zuletzt geändert am 2008/09/02

Am Beispiel einer Elmshorner Hauptschülerin stellte die heutige „Fernsehwoche“-Redakteurin das Internationale Jugendprogramm im Juni 1998 in einer Zeitungsbeilage den Lesern in Schleswig-Holstein vor.

Am Beispiel einer Elmshorner Hauptschülerin stellte die heutige „Fernsehwoche“-Redakteurin das Internationale Jugendprogramm im Juni 1998 in einer Zeitungsbeilage den Lesern in Schleswig-Holstein vor.

Eine 14jährige wie Claudia Tank dürfte es eigentlich gar nicht geben: Andere in ihrem Alter haben mit Zahnspange und Komplexen zu kämpfen und holen manchmal noch heimlich die Playmobil-Figuren aus dem Keller – die Hauptschülerin aus Elmshorn dagegen strahlt eine fast schon unheimliche Zielstrebigkeit aus. Die ist auch notwendig, denn anstatt für Boy-Groups zu schwärmen oder heimlich in die Disco zu gehen, opfert Claudia ihre Freizeit für das „Internationale Jugendprogramm“, an dem ihre Hauptschule Langelohe als einzige Schule in Schleswig-Holstein teilnimmt.

Von Opfer könne keine Rede sein, wehrt die 14jährige ab. „Ich mache in dem Jugendprogramm eigentlich nur meine Hobbys, mehr nicht.“ Dafür, daß zum Abschluß „nur“ ein Bronzeabzeichen plus eine von Schirmherr Prinz Philip unterzeichnete Urkunde wirkt, ist das aber schon eine ganze Menge.

Mit dem 1956 in England gegründeten Programm soll der Erfahrungshorizont von Jugendlichen erweitert werden. Es geht um Ausdauer, Eigeninitiative, Kreativität und Unternehmungsgeist. Dazu müssen sich die Jugendlichen innerhalb von acht Monaten sozial, sportlich und kreativ engagieren. Für Claudia kein Problem: Den sozialen Teil hat sie in einem Kindergarten abgeleistet - „die Kinder schrien dauernd durcheinander“, erinnert sie sich mit süßsaurem Lächeln -, kreativ spielt sie Fanfare im Spielmannszug, und sportlich trainiert sie Schwimmen beim DLRG – demnächst vielleicht schon als Ausbilderin, verrät sie stolz. Bei den Rettungsschwimmern hat sie außerdem viele neue Freunde kennengelernt.

Natürlich sind längst nicht alle Mitschüler so begeistert von dem Jugendprogramm wie Claudia: „Den Jungs ist das zu doof, die hängen lieber rum und bauen Scheiße“, urteilt sie. 27 Schüler haben sich im Herbst letzten Jahres zur Teilnahme an dem Programm entschlossen, vier sind inzwischen abgesprungen. „Ich würde das Programm nicht jedem empfehlen. Aber für selbstbewußte Menschen bringt es Spaß, und es macht einen guten Eindruck.“ Genau das motiviert auch Claudia, die sich durch die Teilnahme auch einen Ausbildungsplatz in ihrem Traumberuf Tischlerin erhofft. „Die sehen dann, die engagiert sich freiwillig und hat auch noch Spaß daran“, hofft sie ihren zukünftigen Chef zu beeindrucken.

Ihre Freunde können nicht so ganz nachvollziehen, wieso Claudia sich in dem Jugendprogramm engagiert, an dem weltweit 400000 Schüler in 80 Ländern teilnehmen. „Das ist doch nervig“ oder „dann hast du ja gar keine Zeit mehr“ sind allerdings Reaktionen, die an der 14jährigen abperlen wie Wasser. Sie will auch im nächsten Schuljahr mitmachen – dann winkt als Belohnung fürs Durchhalten ein silbernes Abzeichen. Auch, daß sie sich dann auf zeichnen, Fanfare und Trommel spielen konzentrieren will, steht schon fest. Und wie steht es mit Disco und Jungs? „Disco ist doch nur Drogen und Alkohol“, meint sie stirnrunzelnd, „und für Jungs bleibt noch genug Zeit.“ Beinahe unglaublich, daß Claudia zum Schluß zumindest zugibt, Fan der Kelly-Family zu sein – inklusive Poster, T-Shirts und Konzertbesuchen, so wie ein ganz normaler Teenager.